Die Game City im Wiener Rathaus

Game City: Schlange stehen fürs Zocken

Unter dem Motto Verbindet! lockte Österreichs größte Videospielmesse, die Game City, dieses Jahr wieder zahlreiche Interessierte ins Wiener Rathaus. Mithilfe von Neuerungen wie VR-Elementen konnte an den Erfolg der Vorjahre angeknüpft werden.

79.000 Besucher_innen tummeln sich von 18. bis 20. Oktober auf dem Veranstaltungsgelände der Game City.  Highlights wie die Cosplay Parade und eine eSports Arena sorgen auch dieses Jahr wieder für volles Haus. Nicht einmal eine Stunde nach Eröffnung heißt es am Freitagmorgen vor dem Rathaus bereits Schlange stehen. Auch im Gebäude füllen sich die Gänge schnell mit spielwütigen Gamer_innen. Wer eines der auf 15.000 m² Fläche vorgestellten Videospiele testen will, muss aber viel Geduld mitbringen. Besonders groß ist der Andrang etwa bei Marvel’s Iron Man, das mit nagelneuem Virtual Reality Format lockt. Mithilfe einer 3D-Brille können Spieler_innen hier in einer computergenerierten Welt in die Rolle von Iron Man schlüpfen und durch die Lüfte fliegen.

Exklusive Einblicke

Bei manchen Besucher_innen rufen die Menschenmassen Unmut hervor, der so gar nicht dem diesjährigen Motto entspricht. So auch bei Fabian, der die Game City schon öfter besucht hat.

„Ich hätte Iron Man VR gerne getestet, aber das tue ich mir einfach nicht an.“,

sagt er mit Blick auf die wartende Menge. Seine Freundin Marie stört sich vor allem daran, dass sie vom Personal vor Ort oftmals nur als Anhängsel betrachtet wird:

„Gerade als Frau, die da optisch nicht reinpasst, wird man dann oft gefragt, ob man nur zuschauen oder auch spielen will. Das macht einen schon wütend.“

Beim Thema Gleichberechtigung scheint die Gaming Community noch nicht ganz im Jahr 2020 angekommen zu sein.  Bei vielen Videospielen stört sich Marie an der sexistischen Darstellung von Frauen. Dass sie das Remake des Klassikers FF VII aus ihrer Lieblingsspielereihe Final Fantasy bereits vor dem Release auf der Game City testen konnte, freut die 26-Jährige aber trotzdem.

Wartende Menschen vor dem Eingang des Wiener Rathaus
Bereits früh am Morgen ist der Andrang groß. © Valerie Heine

Gamification als Lockmittel

Die dabei!-App, mit der der Veranstalter im Vorfeld bereits groß geworben hatte, haben Marie und Fabian nicht installiert. Durch Gamification, also die Anwendung spielerischer Elemente in einem spielfremden Kontext, hatte man sich einen Mehrwert für die Besucher_innen versprochen. Neben Zusatzinformationen zu Spielen und Händlern können Interessierte mithilfe der App vor Ort erstmals an einer Schnitzeljagd teilnehmen. Wer alle versteckten QR Codes auf dem Gelände findet und mit der Handykamera scannt, nimmt an einem exklusiven Gewinnspiel teil. Der Hauptpreis, eine Nintendo Switch Lite, scheint jedoch nicht attraktiv genug zu sein. Kaum jemand bleibt an den Stationen stehen, um die Codes zu scannen.

Die Halle des Wiener Rathaus
Überall im Wiener Rathaus sind QR Codes für die Schnitzeljagd verteilt. ©Valerie Heine

Spielend lernen

Auf Österreichs größter Videospielmesse steht aber nicht nur das Zocken selbst im Vordergrund. Auch das Thema Medienkompetenz und deren Vermittlung soll auf der Game City nicht zu kurz kommen. So gibt es auch dieses Jahr wieder die WienXtra-Kinderzone, in der über 9.500 jungen Besucher_innen spielerisch der richtige Umgang mit Videospielen beigebracht wird. Auf der Fachtagung FROG referieren passend dazu internationale Expert_innen über die Grenzen zwischen Realität und Virtualität.

Für Spieleentwickler Lino Slahuschek ist es genau dieser Austausch zwischen den Expert_innen, Spieler_innen und Herstellern, der die Messe ausmacht:

„Finanziell bringt mir die Game City nicht viel. Es sind vor allem das Feedback und die Kontakte, die sich langfristig positiv auf das Geschäft auswirken.“

Er will auch nächstes Jahr wieder mit dabei sein, um seine Indie Spiele zu promoten und in der Community präsent zu bleiben. Auch Marie und Fabian wollen der Game City treu bleiben – trotz Warteschlangen und Nachholbedarf beim Thema Gleichbehandlung.