Der Gesellschaft den Spiegel vorhalten

Gesellschaftspolitische Themen, Vorurteile und klischierte Bilder von Migrant*innen in der Medienlandschaft: Seit 7. September wird der Gesellschaft im Stück „Die Migrantigen“ von Arman T. Riahi in den Kammerspielen der Josefstadt der Spiegel vorgehalten.

Das etwas andere Theater begeistert Zuschauer*innen mit einer humorvollen Untermalung und zeigt wie die Gesellschaft und vor allem Medien Stereotype von Personen mit Migrationshintergrund aufgreifen. Der Regisseur des Theaterstücks Arman T. Riahi ist ein österreichischer Filmregisseur und Drehbuchautor, der mit Auszeichnungen die österreichische Filmszene kreativ hervorhebt. Beispielsweise wurde er im Jahr 2018 in den Kategorien bester Spielfilm und bestes Drehbuch für „Die Migrantigen“ nominiert und im selben Jahr wurde ihm der Romy in der Kategorie Bestes Buch Kinofilm verliehen. Der Film „Die Migrantigen“ wurde 2017 veröffentlicht und Arman T. Riahi wollte den Erfolg des Films in den Kammerspielen der Josefstadt auf der Bühne fortsetzen.

So wird man zum echten Migranten

Im Stück wollen sich Marko und Benny verändern. Sie wollen so richtige Migranten werden. Als eine Reporterin eines Fernsehsenders auf die beiden aufmerksam wird, bietet sie ihnen die Hauptrolle für eine Doku über ein urbanes Problemviertel in Wien „Rudolfsgrund“ an. Sie ergreifen die Chance und hoffen auf eine große TV-Karriere, wofür sie ihre Namen auf Tito und Omar ändern, um authentisch ausländisch zu wirken. Was den beiden noch fehlt, ist das richtige Verhalten und Aussehen eines echten Migranten. Darum holen sie sich Hilfe von einem Vorzeigemigranten, namens Juwel, der zwar in Wien geboren, aber im Herzen Türke ist. Er führt die beiden auf eine „Tschuschensafari“ und macht sie mit den Wichtigsten im „Ghetto“ bekannt. Außerdem lernt er ihnen wie man sich als Ausländer*in zu verhalten und zu kleiden hat. Die stereotypischen Ansichten von Ausländer*innen werden von einer ausländerfeindlichen Omi mit den Ansagen „bissl Notstandhilfe, bissl Kinderbeihilfe, bissl AMS“ abgedeckt und sollen das gesellschaftliche Verhalten gegenüber Migrant*innen widerspiegeln. Im Stück sollen „Tito“ und „Omar“ ihr eigenes Viertel in Wien präsentieren und das tun sie. Doch mit einem übertrieben Verhalten, wie man es klischeehafter Weise kennt. Das übertriebene „ausländische Verhalten“ von ihnen, stimmt mit dem klassischen Migranten überein, wie ihn sich die Gesellschaft vorstellt.

 

Jakob Elsenwenger (Marko Bilic / Tito), Doris Schretzmayer (Marlene Weizenhuber), Luka Vlatković (Benny Lorenz / Omar) © Philine Hofmann

 

„Die Vorstellung hat eine Botschaft rübergebracht“

Der Begriff „Ausländer*in“ hat im gesellschaftlichen Gebrauch einen negativen Unterton und ein Migrationshintergrund ist etwas, was mit schlechtem Umgang in Zusammenhang gebracht wird. Nach der Vorstellung erläutert eine Besucherin, wie sie zu diesem Thema steht: „Man kann nur hoffen, dass Menschen ein bisserl offener werden, was Migranten betrifft. Ich finde, die Vorstellung hat eine Botschaft rübergebracht. Und man müsste wirklich mal den Menschen dahinter sehen, nicht immer nur die Herkunft!“ Neben der Botschaft, den Menschen so zu nehmen wie er ist und nicht eine Fassade zu beurteilen, wird in dem Stück überspitzt aufgezeigt, was Reporter*innen alles tun, um mehr Aufmerksamkeit in den Medien zu bekommen. Sie verstärken Aussagen, verfälschen oder verändern sie sogar.

Die Sensationssucht der Medien

Im Stück wird näher auf die Lügenpresse und Reporter*innen eingegangen, die Aussagen völlig anders in den Medien veröffentlichen, als es tatsächlich war. Ein junger Besucher des Theaters hält den Aspekt, dass Medien teilweise falsche Informationen liefern, für besonders wichtig. Er gibt zu verstehen, dass „Leute teilweise über den Tisch gezogen werden. Man sollte den Medien nicht immer alles glauben“. Unter anderem sind in der Vorstellung die Themen Drogenmissbrauch und -handel im Fokus. Die Fernsehreporterin erfährt von einem der Migranten, dass er fünf bis zehn Kilogramm Drogen verkauft. In der Doku spricht sie jedoch von 15 Kilo. Das ist nur eines von vielen Beispielen, wie kleine Verfälschungen des Gesagten oder Gesehenen in Medien verwendet werden, um eine Geschichte spannender zu gestalten. Was jedoch neben dem Aspekt, was Medien alles tun, um mehr Aufmerksamkeit in Geschichten zu erzielen, nicht zu kurz kommt: der Wiener Schmäh.

 

Benny und Marko / © Jan Frankl
Luka Vlatković (Benny Lorenz / Omar), Jakob Elsenwenger (Marko Bilic / Tito) © Jan Frankl

 

„Legal, illegal, scheißegal!“

In der Aufführung rappt der Vorzeigemigrant Juwel über sein „Ghetto“. Mit den Texten „Schein für Schein steck ich ein, bei mir daheim, Rudolfscrime!“und „Legal, illegal, scheißegal!“ versucht er das Viertel Rudolfsgrund und wie es sich hier lebt, zu beschreiben. Mit Wortwitz und lustiger Übertreibung werden Ausländer*innen kriminell dargestellt. Doch die Ironie dahinter ist verständlich und das hört man auch am lauten Gelächter der Besucher*innen .

 

 

Die Komödie „Die Migrantigen“ spielt in den Kammerspielen der Josefstadt noch bis zum 11. Mai 2020.

 

Weiterführende Links:

Die Kammerspiele der Josefstadt: Rotenturmstraße 20, 1010 Wien

„Die Migrantigen“: Information und Kartenverkauf >hier<