Filmstill Am Berg wächst eine grüne Fichte

Für die Freiheit kämpfen: Partisanenfilme im Österreichischen Filmmuseum

Die gemeinsame Retrospektive der Viennale und des Österreichischen Filmmuseums zeigt unter dem Titel „O Partigiano!“ Partisanenfilme aus 18 europäischen Ländern. Alle Filme erzählen vom bewaffneten Widerstand gegen den Faschismus.

In der Filmschau „O Partigiano!“ über den europäischen Partisanenfilm präsentiert das Österreichische Filmmuseum 41 Filme aus 18 Ländern: von Norwegen bis Italien, von Frankreich bis in die Sowjetunion. Das Programm umfasst Klassiker des Filmkanons, wie Roberto Rossellinis Rom, offene Stadt (1945) genauso wie in Österreich noch nie gezeigte Raritäten aus osteuropäischen Archiven.

Propaganda und neue Staatsnarrative

Filme über Partisanen aus Italien oder Frankreich seien in Österreich zwar bekannter, doch sei es ihm beim Kuratieren der Schau darum gegangen, osteuropäische Filme in den Vordergrund zu rücken, sagt Filmmuseum-Programmchef Jurij Meden. Das liege auch daran, dass es in diesen Ländern ungleich mehr zivile Opfer gegeben habe. Besonders in der Sowjetunion und im sozialistischen Jugoslawien hatte der Staat Interesse daran, sowohl mittels der heroischen Partisanenkämpfe einen neuen nationalen Mythos zu erschaffen, als auch an die zahllosen zivilen Opfer des Faschismus zu erinnern. In diesem Sinne, erklärt Meden, sei der Partisanenfilm für Europa das, was der Western für die USA sei. Mythos der Staatsgründung und Mittel um den traumatischen Erfahrungen der Vergangenheit Ausdruck zu verleihen.

Großproduktion aus Jugolslawien: „Die Schlacht an der Nevreta“ (1969), Foto: Slovenska kinoteka

Entsprechend groß waren deswegen auch die Produktionsbudgets. Der jugoslawische Staatschef Tito war selbst passionierter Filmfan und hat etwa den Dreh der Großproduktion Die Schlacht an der Nevreta (1969, in Nebenrollen internationale Stars wie Yul Brynner, Orson Welles und Curd Jügens) über eine verlustreiche Schlacht 1942 persönlich überwacht.

Low Budget: Filmen mit geringen Mitteln

Nicht alle Filme hatten ähnlich luxoriöse Produktionsbedingungen. Der Film Die Braut und die Ausgangssperre (1978), der auch das Plakat-Sujet der Filmschau bildet, zählt zu einer der wenigen albanische Produktionen aus den späten 1970er-Jahren. Damals hatte Staatschef Enver Hoxha seine letzten diplomatischen Beziehungen gekappt und das Land isoliert. Es mangelte an Filmmaterial, Kameras und Geld. Die Braut und die Ausgangssperre erzählt die Geschichte der jungen Widerstandskämpferin Schura, die in einer von den Nazis besetzen albanischen Stadt lebt. Als sie Gefahr läuft, von den faschistischen Besatzern enttarnt zu werden, bringen Partisanen die als Braut Verkleidete in einer Hochzeitskutsche aus der Stadt.

Low-Budget-Produktion aus Albanien: „Die Braut und die Ausgangssperre“ (1978), Foto: Arkivi Qendror Shtetëror i Filmit

Regisseur Kristaq Mitro und Drehbuchautorin Elena Kadare waren während des Screenings bei der Viennale anwesend. Niemals hätte er gedacht, dass sich 40 Jahre später irgendjemand außerhalb Albaniens für den Film interessieren könnte, sagt ein sichtlich gerührter Mitro. Damals hätten die Filmemacher nicht nur mit Hoxhas Zensoren (die, entgegen des Drehbuchs, darauf bestanden hatten, dass Schuras Flucht gelingt) zu kämpfen gehabt, sondern auch mit enormer Knappheit an Gütern des täglichen Bedarfs. Insgesamt, ergänzt die Drehbuchautorin Kadare, habe ihr tägliches Leben im Albanien dieser Zeit hauptsächlich daraus bestanden, dafür zu sorgen, Essen für ihre Kinder sicherzustellen. Es sei ihr eigentlich unerklärlich, wie sie den Film damals hatten machen können. Regisseur Mitro bedankt sich nochmals für das Interesse, fasst sich an die Brust und verbeugt sich. Tosender Applaus im Saal.

Filmschau als polisches Statement

Dass man das Filmprogramm „O Partigiano!“ heutzutage zeige, sei kein Zufall und dürfe auch als politisches Statement verstanden werden, sagt Filmmuseum-Direktor Michael Loebenstein. In Zeiten, in denen die Grenzen des Sagbaren verschwimmen, sei es ihm wichtig, darauf hinzuweisen, dass es sehr wohl Zeiten gegeben habe, in denen Faschismus ungestraft als solcher bezeichnet werden konnte – und zwar über die nationalen Grenzen Europas hinweg. Umso mehr freue es ihn, dass es bereits internationales Interesse an einer Übernahme der Retrospektive, oder zumindest Teilen der umfassenden Schau, gäbe.

Die Retrospektive „O Partigiano!“ läuft noch bis inklusive 4.12.2019 im Österreichischen Filmmuseum