Filmtricks to go

„Und … Action!“ heißt es seit Oktober im Technischen Museum Wien. Auf 700 Quadratmetern lädt die Ausstellung  SPECIAL EFFECTS  Museumsbesucher ein, das Filme Machen selbst zu erleben. Vor dem Greenscreen in Fantasiewelten eintauchen oder wie ein Drache fliegen: Diese Träume werden wahr. 

Menschen, die ihr akrobatisches Können zum Besten geben oder auf allen Vieren am Boden krabbeln: Dieser Anblick bietet sich nicht nur auf einem Indoor Spielplatz, sondern auch in der interaktiven Ausstellung für Filmillusionen im Technischen Museum Wien. Spaß und Information gehen hier ineinander über und machen die Geschichte der Spezialeffekte für Interessierte erlebbar. Seit Oktober ist die Sonderausstellung des Wissenschaftsmuseums Cité des Sciences et de l’Industrie de Paris erstmalig außerhalb Frankreichs zu sehen.

Selbst erleben

Ein besonderes Angebot erwartet die BesucherInnen gleich zu Beginn: Alle AusstellungsbesucherInnen erhalten ein Armband mit individuellem QR-Code. Damit lässt sich jede selbstgedrehte Filmsequenz speichern und schlussendlich zu einem digitalen Trailer zusammenfügen. „Der Museumsbesuch wird so zu einem Erlebnis und ist nicht so trocken wie man es sonst kennt“, meint eine junge Besucherin. An mehreren Stationen können Jung und Alt die Entstehung der verschiedenen Effekte selbst ausprobieren und dadurch besser verstehen.

Mit dem QR-Code lässt sich jede Filmsequenz kinderleicht speichern. © Paul Bauer

Filmluft schnuppern

Während des Rundgangs werden alle Phasen der Filmproduktion, von der Preproduction bis in den Kinosaal, durchlaufen. Beginnend im Produktionsbüro, können erste Effekte skizziert und Kosten kalkuliert werden. Am Set angekommen, gibt es Einblicke in die Verwandlung eines Schauspielers durch Masken, Kostüme und Make-Up.  Für funkelnde Augen der jüngeren Gäste sorgen vor allem die errichteten Filmstudios zum Ausprobieren der Effekte. Mithilfe eines Greenscreens können Filmfans hier kinderleicht in eine virtuelle Welt eintauchen. Durch Kombination von Motion Capture und Performance Capture dürfen BesucherInnen mit ihrer Mimik, Gestik und Stimme ein Fantasiewesen zum Leben erwecken. Im Bereich der Post-Production erhalten die Filmszenen durch Musik und Geräusche den letzten Schliff.

Eine Besucherin versucht sich als Synchronsprecherin für ein Fantasiewesen. © Annika Hennig

Spezialeffekte damals und heute

In der Ausstellung erhalten Besucherinnen und Besucher Antworten auf die Fragen, was budgetär und technisch hinter aufwändigen Filmillusionen steckt. Mit dem Aufkommen neuer Technologien hat sich in der Welt der Filmtricks viel verändert. Als Pionier der Spezialeffekte, hat Georges Méliès mit dem Stopptrick und Science-Fiction-Kurzfilmen einen Meilenstein der Filmillusionen überschritten. Anfang des 20. Jahrhunderts führte Méliès intensive Experimente durch, um mit seinen Spezialeffekten zu überzeugen. Bis heute hat sich einiges getan: Ein Informationsfilm in der Ausstellung zeigt, dass der Oscar prämierte Film „Life of Pi“ (2012) fast vollständig in einem Filmstudio gedreht wurde und verdeutlicht damit die Bandbreite an heutigen technischen Möglichkeiten.

Museum mit vielen Facetten

Bekannt ist das Technische Museum Wien (TMW) vor allem für seine geschichtsträchtigen Sammlungen an Eisenbahnen, Schiff- und Luftfahrt-Modellen oder Industriemaschinen. Doch neben den Dauerausstellungen zu Energie, Mobilität und Natur, bietet das TMW eine Reihe an Spezialführungen an. Einblicke in die Arbeit tief unter der Erde im Bergwerk oder hoch hinaus auf die Hochspannungsleitung – das Museum ermöglicht einen abwechslungsreichen Aufenthalt.

Im Rahmen der Dauerausstellung medien.welten finden auch die Special Effects ihren Platz. Für interessierte Kinder und Erwachsene gibt es einen eigenen Workshop, in dem die schauspielerischen Qualitäten gemeinsam entdeckt werden können.

Spiel, Spaß und Kritik

In der heutigen Zeit wird in Film, Fernsehen und auf Youtube immer stärker mit inszenierten Bildern gearbeitet. Gerade in Zeiten von Fake News ist es wichtig, Gesehenes, zu hinterfragen. Den BesucherInnen des Museums wird durch die Ausstellung ermöglicht, die eigene Wahrnehmung von Effekten zu reflektieren. Das ist Teil des Bildungsauftrags des Museums. „So aufregend es ist, in perfekte und inszenierte Welten zu tauchen, so sehr muss uns auch bewusst sein, dass Vieles eine Illusion ist“ betont Pressesprecherin Barbara Hafok. Noch bis 5. Juli 2020 ermöglicht es das Technische Museum, einmal hinter die Kulissen der Filmindustrie zu schauen.