Integration geht durch den Magen

Arabische Küche mit österreichischem Twist: Im „Habibi & Hawara“ kochen Geflüchtete zusammen mit Österreicher_innen. Seit letzter Woche auch in der neu eröffneten Filiale im Wiener Nordbahnviertel. Das Konzept will zeigen, dass Kochen Kulturen verbinden und die Integration fördern kann.

Am Donnerstag den 28. November war es endlich soweit: Investor_innen, neugierige Gäste sowie zahlreiche Pressevertreter_innen versammelten sich im modernen Nordbahnviertel in der Wiener Leopoldstadt, um die Eröffnung des zweiten Habibi und Hawara Restaurants zu feiern. Das Lokal besticht durch ein  einzigartiges Konzept der Interkulturalität und dem Versprechen, geflüchteten Menschen eine Ausbildung in der Gastronomie zu ermöglichen.

Feierliche Eröffnung mit Austropop und arabischem Electro

Der Andrang ist groß, viele Besucher_innen scharen sich während der Eröffnungszeremonie um die Bühne vor dem Restaurant. Die Gäste können, passend zu den eher gehobenen Preisen, als hippe Wiener Stadtbevölkerung bezeichnet werden. Während das Publikum den Reden lauscht, bereitet die Küche  arabische Speisen wie Tabouleh, Falafel oder Baba Ganoush  zu. Martin Rohla, Investor und Mastermind des Gastronomie-Konzepts, ist dankbar für die Unterstützung der Investment-Plattform Greenrocket, die via Crowdfunding nachhaltige Projekte finanziert: „So ein Ding zu finanzieren ist nicht leicht. Deshalb sind wir froh, das Team von Greenrocket an Bord zu haben.“ Nach einer multireligiösen Segnung des Lokals durch einen Priester, eine evangelische Pastorin sowie einen Imam wird das Buffet eröffnet und in Begleitung österreichischer und arabischer Musik geschlemmt, geredet und gefeiert.

Laszlo Horvath (Serviceleitung), Ulrike Plichta (Geschäftsführerin) und Katha Schinkinger (Co-Initiatorin) entrollen den roten Teppich für die Eröffnung. Copyright: Habibi & Hawara

Rezepte von der Oma

Neben der Ausbildung steht das Restaurant für den interkulturellen Dialog und natürlich für eine aufregende Küche: Dass die Idee einwandfrei funktioniert, zeigt der Werdegang von Mohammad Aljassem, der von seinen Kolleg_innen und Freund_innen nur „Hammoudi“ genannt wird. Dieser fing 2016 in der ersten Filiale in der Wiener Innenstadt als Küchenhilfe an. Heute ist er der Küchenchef und Mitgesellschafter der neuen Dependance im Nordbahnviertel. Die Gerichte, die Aljassem von seiner armenischen Großmutter beigebracht bekommen hat, reichen von Kohlrouladen bishin zu Baklava. Die Gäste drängen sich um das Buffet in der Raummitte und die Mitarbeiter_innen servieren im Minutentakt Nachschlag. Neben arabischer Küche reihen sich im Normalbetrieb  österreichische Klassiker wie Gulasch oder Brathendl, die mit orientalischen Gewürzen verfeinert sind.

Küchenchef Hammoudi Aljassem konzentriert bei der Arbeit. Copyright: Frederik Hocke

Mehr als nur ein Job

Nachhaltigkeits-Investor Martin Rohla ist der festen Überzeugung, geflüchtete Personen mithilfe einer Ausbildung im Habibi und Hawara im Gastronomiebereich in die Berufswelt zu integrieren. Neuankömmlinge sollen hier aber nicht nur in klassischen Gastro-Disziplinen fitgemacht werden. Rohla behauptet, durch die betriebswirtschaftliche Ausbildung werde den Angestellten eine Grundlage geboten, in Zukunft eigene Restaurants zu betreiben und selber zu Unternehmer_innen zu werden. Teamgeist wird bei „Habibi & Hawara“ großgeschrieben. So seien Unternehmungen, wie Teamausflüge oder gemeinsame Feiern, wichtiger Bestandteil des Firmenkonzepts, wie der Investor in seiner Eröffnungsrede berichtet. Auch als neutraler Beobachter merkt man, dass das Team vertraut ist und ihnen die gemeinsame Arbeit viel Spaß macht. Das Servicepersonal ist trotz des riesigen Andrangs gut eingespielt und weiß gelassen mit den Wünschen der Gäste umzugehen.

Porträts der Mitarbeiter_innen prägen die familiäre Atmosphäre im Restaurant. Copyright: Habibi & Hawara

„Eine homogene Gruppe von Migranten gibt es nicht“

Ulrike Plichta, Mitglied des Frauennetzwerks „Wiener Wunderweiber“ und Restaurantleiterin im „Habibi & Hawara Nordbahn“ erzählt über ihren Arbeitsalltag mit den geflüchteten Mitarbeiter_innen: „Eine homogene Gruppe von Migranten gibt es nicht, sie sind genau so individuell wie alle anderen Menschen auf der Welt. Wenn man sich besser kennenlernt, ist es viel einfacher, gut miteinander umzugehen und Teamgeist zu entwickeln.“ So bezeichnen sich die Mitarbeiter_innen gemeinsam als „Habibis und Hawaras“ und machen keinen Unterschied, ob man aus Österreich oder aus anderen Ländern der Welt komme. Die Restaurantleiterin erzählt weiter: „Über die Küche kommt man darauf, dass die Kulturen gar nicht so weit auseinander sind. Wir haben beispielsweise Strudel, anderswo heißt es Börek, aber es ist im Prinzip dasselbe. Genauso ist es auch mit den Kulturen, wo es keinen Unterschied macht, ob man aus Syrien, Afghanistan oder Bosnien kommt, sondern man einfach das Herz sprechen lässt.“

Arabische Speisen am Eröffnungsbuffet des Restaurants. Copyright: Frederik Hocke

Vielversprechende Zukunft

Es wird an diesem Abend deutlich sichtbar, dass Integration auch mit guten Beispiel gelebt werden kann, was das Habibi-Team durchaus beweist. Einzig der starke Gegensatz der gehobenen Kundschaft zu den schweren Schicksalen der geflüchteten Mitarbeiter_innen stößt etwas bitter auf.  Dennoch der Erfolg des Konzepts kann nicht angezweifelt werden: Seit Sommer gibt es Hummus und andere Spezialitäten von Habibi und Hawara bei Billa und Merkur zu kaufen. Zudem steht das dritte Lokal in den Startlöchern, das im Frühjahr am Siebensternplatz eröffnet werden soll.