Reparieren statt eliminieren

Das Wiener Repaircafé lud am 21. November zum letzten Mal in diesem Jahr ein, um kaputte Geräte wieder in Gang zu bringen – mit Erfolg. In den Räumen des 48er-Tandlers im fünften Wiener Gemeindebezirk konnte ein Mosaiksteinchen gegen die Wegwerfgesellschaft gepflastert werden.

Im Jahr 2016 warf der durchschnittliche EU-Bürger 8,9 Kilogramm Elektroschrott in den Müll. Österreich lag in dieser Statistik mit 9,7 kg pro Kopf über dem EU-Durchschnitt – Tendenz steigend. Peter Erlebach nahm diesen Umstand zum Anlass und gründete ein Repaircafé in Wien. Seine Beweggründe dazu sind ganz simpel erklärt: „Für mich ist ganz klar, wenn etwas zu reparieren ist, entlastet man damit die Umwelt.  Wir geben den alten Geräten noch eine Chance auf ein zweites Leben.“ Die Kosten für die (mögliche) Reparatur basieren auf freiwillige Spenden: „Wir verlangen grundsätzlich nichts für die Arbeit. Alles basiert auf freiwilliger Spende“, sagt Erlebach und fügt lächelnd hinzu: „Natürlich freuen wir uns über jeden Euro, doch das steht nicht im Vordergrund.“ Neben der hoffentlich erfolgreichen Reparatur können die BesucherInnen auch an selbstgemachten Mehlspeisen und einer breiten Auswahl an Getränken wählen – die Spendenbox steht auch dafür bereit.

Manche Elektrogeräte kann auch das ausgebildete Team nicht mehr reparieren © MA48

Repaircafés sind keine Seltenheit

Die Idee der Wegwerf-Alternative stammt aus den Niederlanden. Die Umwelt-Journalistin Martine Postma verschriftlichte im Jahr 2009 diesen Gedanken und stellte die Gründungsanleitung des Repaircafés als Franchise-Lizenz zur Verfügung. Mittlerweile ist dieses Format weltweit mit über 2000 Initiativen im Einsatz. In Wien gibt es, neben Erlebachs Repaircafé, vier weitere offizielle Initiativen, die der Wegwerfgesellschaft den Kampf ansagen.

75 % wurde neues Leben eingehaucht

Erlebach & Co. empfingen an diesem Donnerstag insgesamt 40 „Patienten“, wobei 30 davon repariert werden konnten. Eines davon war die Heckenschere von Dagmar Z., die sichtlich Freude mit dem wieder genesenen Produkt hatte, wie sie erzählt: „Es war ein wirklich teures Geschenk meines Mannes vor zwei Jahren. Bevor ich es wegwerfe, wollte ich wissen, ob es vielleicht eine kleine Chance gibt, es zu reparieren. Dass es nach nur zehn Minuten wieder tadellos funktioniert, freut mich umso mehr“.
Repariert wird es von einem Team aus freiwilligen Helfern rund um Gründer Erlebach. Der gelernte Nachrichtentechniker führt sein Team an, dass aus ehemaligen ElektronikerInnen, HandwerkerInnen und BastlerInnen besteht – Expertise ist offenbar vorhanden.

Repaircafé-Gründer Peter Erlebach versucht jedes Werkzeug wieder in Gang zu bekommen © MA48

Hilfe zur Selbsthilfe

Neben dem Angebot der Reparatur von Altgeräten will das Repaircafé die Menschen dazu ermutigen, selbst Hand anzulegen. „Wir wollen, dass die Menschen die Scheu verlieren, Elektrogeräte aufzuschrauben. Oft sind nur kleine Handgriffe im Inneren der Geräte notwendig, damit der Fehler behoben wird. Dieses Bewusstsein wollen wir näher bringen und haben damit auch Erfolg“, erklärt ein zufriedener Erlebach, der sein Team auch im Jahr 2020, beginnend im Februar, wieder als Schirmherr anführen wird.


Weitere Initiativen in Wien:
Mutter Erde
R.U.S.Z.
Initiative Schwendermarkt
Energie & Reparaturcafe