Mit dem Zug nach Fernost

Traivelling machts möglich. Das Start Up-Reisebüro von Elias (19) und Matthias Bohun (48) bietet Fernreisen mit dem Zug. Sie organisieren ab Jänner 2020 Zugreisen nach Lissabon, Marrakesch oder Hanoi. Die Kosten sind überschaubar,  der ökologische Fußabdruck auch.

Zugreisen genießen einen neuen Aufschwung. Mit der Diskussion um die Folgen von Klimawandel und CO2-Ausstoss wollen viele Reisende, vor allem die Generation Friday for Futures, nicht mehr fliegen, sondern nachhaltiger reisen. Züge in Österreich und in die Nachbarstaaten lassen sich leicht bei selbst über das Internet buchen, doch bei mehreren Grenzübergängen wird’s kompliziert. Aus diesem Umstand ist die Geschäftsidee der Bohuns geboren. Traivelling, eine Wortschöpfung aus Train (Zug) und Travelling (reisen), bietet Zugreisen in die Ferne.

Derzeit gibt es das Reisebüro nur online. Hier finden Interessierte Beispiele, welche Routen möglich sind. Eine Zugfahrt nach Bangkok kostet ca. EUR 750 (one way) und schlägt damit ganz schön zu Buche. Dafür kommt man am Weg durch Russland, wahlweise Weißrussland oder die Ukraine, Kaschstan und China. Die beiden stellen individuelle Zugreisen zusammen und buchen diese für Ihre KundInnen an, für eine eine Provision von 10-20 Prozent. Sie buchen Züge innerhalb von Europa, bis Japan oder Südostasien und auch Nordafrika – eben soweit wie man im Zug kommen kann ohne in Konfliktgebiete zu müssen.

Geschäftstätig werden die sie Anfang 2020. Für die Zukunft ist auch ein Standort in Wien oder Niederösterreich geplant. Schon nach wenigen Tagen online haben sie über 1000 Anfragen von potentiellen Zugreisenden.

Die Traivelling-Gründer Elias und Mattias Bohun. copyright Sascha Aumüller

Elias Bohun wollte nach der Matura erstmal weit weg, nach Vietnam. Flüge wurden gebucht und der Umwelt zuliebe wieder storniert. Das Reiseziel wollte Bohun aber nicht aufgeben und hat sich mit viel Rechercheaufwand selbst die Zugtickets übers Internet organisiert. Keine leichte Aufgabe und teilweise mit Nervenkitzel verbunden, ob die Internetbekanntschaften die Tickets tatsächlich wie vereinbart hinterlegen.

Elias Bohun auf seiner ersten großen Zugreise vor der transsibirischen Eisenbahn. copyright Elias Bohun

Elias Bohun betont aber, dass die Zugfahrt schon Teil der Reise ist, neben dem Umweltaspekt gibt es noch den sozialen Aspekt. Einerseits findet die Wertschöpfung bei kleinen Unternehmen vor Ort statt, den Standlern, den Hoteliers in Städten, in die normalerweise keine Touristen kommen, andererseits begegnet man vielen Menschen im Zug. Im Zugabteil findet nämlich der wirklich kulturelle Austausch statt.