Gaumenfreuden für Koffein-Junkies

Wenn Menschen aus ganz Europa die Ottakringer Brauerei aufsuchen, hat das einen Grund – und der ist alkoholfrei: Sie alle lieben Kaffee. Und davon gibt es auf dem Vienna Coffee Festival reichlich. Vom 10. bis 12. Januar zeigten die Veranstalter, wie man Kaffee heute trinkt.

Schwarz, mit Milch oder verlängert: Beim Genuss des Kaffees hat jeder seine ganz eigenen Vorlieben. Auf den richtigen Geschmack und die neuesten Trends kommen Kaffeeliebhaber beim Vienna Coffee Festival. Und wo würde sich ein solches Festival besser eignen, als in Wien – der Stadt, die das Kaffeetrinken zum Lebensgefühl erhoben hat. Vom 10. bis 12. Januar 2020 öffnete die Ottakringer Brauerei bereits zum vierten Mal für Kaffee-Fans ihre Pforten. Über 9000 Besucherinnen und Besucher nahmen dies zum Anlass, sich einmal durch 100 verschiedene Kaffeesorten durchzukosten. Hier treffen sich Koffein-Junkies, Hobby-Baristas und Rösterei-Inhaber, die eines gemein haben: Die Leidenschaft für Kaffee.

Auf fünf verschiedenen Floors erwartet die BesucherInnen ein vielfältiges Programmangebot. Die Industrie-Riesen Tchibo, Dallmayr und Nespresso sowie lokale Röstereien bieten ihre neuesten Produkte zum Verkosten an. „Man kann so viele verschiedene Sorten probieren und schmeckt als Laie sogar Unterschiede“, stellt Besucherin Sarah fest. Daneben können die Festival-Gäste ihre Kreativität in der Kaffeemalerei ausleben, sich tätowieren lassen oder bei den Barista-Meisterschaften mitfiebern. Um dem Messecharakter zu trotzen, sorgen DJs für Musik und ausgelassene Stimmung.

Wer eifrig Goodies sammelt und ausgiebig Kaffee gustiert, kommt schnell auf seine Kosten. „Ich bekomme schon leichtes Herzrasen vom ganzen Koffein“, berichtet Carolin, die das Festival erstmalig besucht.

Zwei Besucherinnen verkosten „Nuevo Oriente“ und „La Roja“. Copyright: Annika Hennig.

Leopold statt Arabica-Bohne

Wir befinden uns in der dritten Welle des Kaffeekonsums, das heißt: Kaffee ist nicht mehr nur ein Industrieprodukt, sondern erfährt eine Neuentdeckung und Wertschätzung. Im Bereich des Specialty Coffee wird Kaffee als Wissenschaft betrachtet. „Wir möchten wissen, woher der Kaffee kommt, wie er aufbereitet und geröstet wurde“, erklärt Phil Semelink von der Rösterei Kult Bohne. „Durch die spezielle Röstung wollen wir die positiven Flavors aus jeder Kaffeebohne hervorheben.“ Jede Kaffeebohne hat ihren ganz eigenen Geschmack, der durch drei Aromen definiert wird. So schmeckt die Sorte Leopold nach Pfirsich, Mandarine und Kakao.

Die Sorten des Kaffeehandels Kolschitzky heißen ab jetzt Ferdinand, Leopold und Rüdiger. Copyright: Annika Hennig.

Eine besondere Hingabe erfährt nicht nur die Kaffeebohne, sondern auch die Rohmilch. Auf dem Festival wird die Latte Barista der Firma Kärtnermilch vorgestellt – eine Rohmilch mit erhöhtem Proteingehalt, die perfektionierte Kunstwerke aus Milchschaum ermöglicht.

Die Barista kreiert mit Milchschaum und Pinsel ein Kunstwerk. Copyright: Annika Hennig.

Hier geht’s um die Bohne

In fünf nationalen Meisterschaften treten Profi-Baristas und Milchschaumkünstler gegeneinander an. Die Gewinner der verschiedenen Disziplinen qualifizieren sich damit für die Barista Weltmeisterschaften in Warschau und Melbourne. Kunstwerke aus Milchschaum sind in der Disziplin Latte Art zu bestaunen, den perfekten Geschmack gilt es in der Königsdisziplin Barista zu treffen. Dieses Ziel hat auch Finalist Madalin Truica. Der 33-Jährige hat 15 Minuten Zeit, um vier Jury-Mitglieder mit je drei Kaffeevariationen zu überzeugen.

Bei der Wahl der Kaffeebohne setzt Madalin auf die Flavors Brombeere, Sauerkirsche und Zimt. Auf vier Espressi folgen vier Kaffeegetränke mit Milch. Für die letzte Runde, den Signature Drink, verwendet Madalin Limettenschalen mit Zucker, deren Extrakte er mit geschmolzener Butter und Kaffee vermischt. Mit seinen Variationen trifft der Barista voll ins Schwarze und sichert sich den ersten Platz im Wettbewerb.

Barista-Finalist Madalin Truica bereitet seinen Signature Drink zu, der von vier Juroren bewertet wird. Copyright: Annika Hennig.

(Un)gelebte Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit liegt voll im Trend. Damit wirbt auch der Veranstalter des Festivals. Einen bewussteren Umgang mit Kaffee zu schaffen und über nachhaltige Produktion aufzuklären, ist das Ziel der Veranstalter. Doch trotz Fairtrade- und Bio-Kaffees, fehlt es auf dem Festival vor allem an einem: Nachhaltigkeit. Statt wiederverwendbarer Tassen, erhalten die BesucherInnen für jede Verkostung neue Pappbecher, die sich wenige Augenblicke später im Mistkübel stapeln. Dennoch erfährt die Kaffeeszene am Vienna Coffee Festival einen regelrechten Boom.

Wer das Festival dieses Jahr verpasst hat, kann sich jetzt schon den Termin fürs nächste Jahr vormerken: Vom 15. bis 17. Jänner 2021 geht’s wieder um die Bohne.


Für mehr Infos geht’s hier zur Facebook-Seite.

Ticketpreise:

Vorverkauf: 13€
*Ermäßigung für Studenten: 11€
Tageskassa: 15€