neunerhaus Kampagne

20 Jahre Schande und Scham

Heuer feiert neunerhaus das 20. Jubiläum. Zu diesem Anlass sorgt die Wiener Sozialorganisation für Aufmerksamkeit. Die aktuelle Werbekampagne zeigt ehemals Obdachlose in mittelalterlichen Schandmasken – auf Plakaten, Kinoleinwänden und Social Media.

neunerhaus feiert 20-jähriges Bestehen: mit einer Werbekampagne von der Kreativagentur Havas, die gesellschaftlich wachrütteln soll. Vier Plakate und ein Kampagnen-Werbespot zeigen ehemals obdachlose Frauen und Männer, die bizarre Masken tragen – mit überlangen Ohren und Nasen. Die sogenannten Schandmasken wurden im 17. Jahrhundert in Teilen Europas zur gesellschaftlichen Bloßstellung verwendet. Heute schmücken sie die aktuelle Werbekampagne von neunerhaus. Die Masken symbolisieren die tägliche Schande und Scham obdachloser Menschen und ihre gesellschaftliche Ausgrenzung.

Obdachlosigkeit ist nahbar

Vor zwanzig Jahren öffnete die Sozialorganisation neunerhaus erstmals ihre Tore – mit dem Ziel, Obdachlose in Sachen medizinischer Versorgung, Wohnen und Beratung zu unterstützen. Seiter habe sich das Profil eines Obdachlosen stark verändert. „Vor 20 Jahren wurde mit einem obdachlosen Menschen eine Person auf der Parkbank verbunden. Heute wissen wir, dass Wohnungslosigkeit vielfältiger ist. Sie wird weiblicher, jünger und internationaler.“, sagt Elisabeth Hammer, Geschäftsführerin von neunerhaus. Die gesamtgesellschaftliche Entwicklung zeigt unterschiedliche und vor allem sehr nahbare Risiken. Gesundheitliche (vor allem psychische) Belastungen und die Entwicklung der Wohnkosten seien große Risikofaktoren für Obdachlosigkeit.

Helfen hilft

Laut Statistik Austria sind in Wien aktuell ca. 15.000 Menschen offiziell wohnungslos registriert. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. neunerhaus verfolgt zwei konkrete Ziele: die Scham der Betroffenen mittelfristig zu mindern und Obdachlosigkeit langfristig zu beenden. Elisabeth Hammer betont: „Das gelingt nur mit einem starken Netzwerk von Partnern und Verbündeten“. Sie plädiert damit auf gesamtgesellschaftliche Unterstützung. „Zu einer Gesellschaft gehören alle Menschen dazu. Menschen mit höherem Einkommen und mehr Möglichkeiten sollten jene unterstützen, denen es aufgrund einer Krise schlechter geht.“, ergänzt Proschat Madani, Schauspielerin und Gesicht des Kampagnen-Werbespots.

Die Sozialorganisation neunerhaus kennt die nachhaltige Lösung gegen Obdachlosigkeit: „Es braucht einen eigenen Schlüssel, Privatsphäre, ein eigenes Postfach und Ruhe. Nur eine Wohnung beendet Wohnungslosigkeit.“

Helfen kann man hier: https://www.neunerhaus.at/spenden/