Gypsy @Volksoper Wien

Ein Monster, das sich Mama nannte

Der Broadway macht Halt in Wien: über eine von Ehrgeiz besessene Mutter, nicht alternde Töchter, Burlesque-Striptease und einen verloren geglaubten Traum. All das bündelt das noch bis 15.02 aufgeführte Musical „Gypsy“ an der Wiener Volksoper.

Popularität bis in die Gegenwart

Wir schreiben den 21.05 1959. Das letzte Jahr der 50er war schon fast zur Hälfte um. Die Folgen des 2. Weltkrieges gerieten immer mehr in Vergessenheit. Neben Cocktailsesseln, Günter Grass‘ Blechtrommel, oder dem etwas ausgefallenen Party-Snack Toast Hawaii, wurde das Ende des Jahrzehnts in New York mit einer besonderen Geschichte eingeleitet: im angloamerikanischen Raum wird diese neben der allseits bekannten „West Side Story“ als Ahnin der Musicals gesehen. Als Vorlage gilt die Autobiografie der wohl bekanntesten Burlesque-Darstellerin Gypsy Rose Lee: Gypsy: A Memoir. Das Stück erfreute sich nicht nur zur damaligen Zeit großer Beliebtheit. Der Erfolg zieht sich bis in unser Jahrhundert, weshalb die Wiener Volksoper Gypsy bereits Ende 2017 in ihr Repertoire aufgenommen hat.

Gypsy Rose Lee @Fanpop, http://de.fanpop.com

Was auf einen zukommt

Die ZuseherInnen werden in den Bann einer herrischen Mutter gezogen, welche von Maria Happel, einer Ikone des Wiener Burgtheaters, ungemein treffend und  am Ende auch berührend dargestellt wird. Die beiden Töchter June und Louise müssen ihre gesamte Kindheit über auf Wunsch der Mutter die verschiedensten Showbühnen Amerikas bespielen, um eines Tages den größten Traum ihrer Glucke zu erfüllen: berühmt zu werden. Doch der Traum zerbricht, da June, die begabtere der Töchter, heimlich heiratet und die Mutter verlässt. Auch Louise entwickelt sich immer weiter von ihrer Mutter weg. Sie bleibt zwar weiterhin bei dieser, wird aber ohne deren Einfluss berühmt und entzieht ihr damit den einzig gebliebenen Lebenssinn. In der finalen Szene gesteht Rose ihrer verbliebenen Tochter, inzwischen ein Star im Burlesque, ihren Egoismus: sie hat all die Jahre nur an sich selbst gedacht. Louise’ Künstlername „Gypsy Rose Lee“ ist eine Hommage an das ruhelose Herumziehen der Familie und an den Namen ihrer Mutter.

Die Umsetzung

Regisseur Werner Sobotka gelingt in knapp drei Stunden mit einem einfachen, aber sehr wandelbaren Bühnenbild (14 verschiedene Schauplätze) die Atmosphäre der schwierigen 30er-Jahre in den amerikanischen Staaten einzufangen. Die Musik ist sehr vielfältig: von Big-Band-Sequenzen bis zu lyrischen, leisen Balladen reicht der Bogen. Mit Gypsy hat die Volksoper ein schwungvolles Musical-Märchen auf die Wiener Bühne gebracht.

Karten für die letzten fünf Vorstellungen – die nächste findet morgen Abend statt – gibt es auf der Seite der Wiener Volksoper zu kaufen. Wie immer bekommen Schüler, Studenten und Senioren eine Ermäßigung.


Restlichen Vorstellungstermine:

  • 23.01: 19:00 – 22:15
  • 27.01: 19:00 – 22:15
  • 02.02: 19:00 – 22:15
  • 09.02: 18:00 – 21:15
  • 15.02: 19:00 – 22:15