(Bio)-Plastic…not so fantastic?

5.000 bis 7.000 Tonnen. Das ist die Zahl der Plastiktaschen, die in Österreich jährlich anfallen. Eine Belastung, vor allem für die Umwelt.  Die Auswahl an  „ökologischeren“ Alternativen steigt – die Kritik daran ebenso. 

In Österreich fallen jährlich 9.000 Tonnen Plastikmüll an. Ein Drittel davon machen Verpackungsmaterial und Einwegprodukte aus. Erschreckende Zahlen, denen die österreichische Politik nun den Kampf angesagt hat. Denn seit 21 Tagen ist es da: das „Plastiksackerlverbot“ und beinhaltet das Verbot von Kunststofftragetaschen. Doch was können die Alternativen?

Messer, Gabel, Take-Away-Behälter

Coffee-To-Go-Becher, Obstsackerl, fertige Salatmischungen und herkömmlicher Kaugummi. Sie alle haben etwas gemeinsam – Weichmacher und Mikroplastik. Letztere sind giftige Kunststoffpartikel mit einem Durchmesser von 5 Millimeter und sind somit für das menschliche Auge kaum sichtbar. Einmal in die Umwelt gelangt, können die kleinen Teilchen nicht mehr abgebaut werden. In Folge dessen geraten sie bis in die kleinsten Mikroorganismen der Umwelt und somit auch in die Nahrungsketten von Mensch und Tier.

Als wären  die giftigen Inhaltsstoffe nicht schon schlimm genug, so ist es die falsche oder nicht vorhandene Entsorgung, die Plastikprodukte zum Umweltproblem werden lassen. Alleine in Österreich fließen täglich 100 Kilo Plastik die Donau hinab. Littering, so wird die Verschmutzung der Natur in der Fachsprache auch genannt.

Eine der Folgen, wenn Müll nicht oder falsch entsorgt wird: Er landet im Wasser und so auch im Ökosystem unserer Umwelt. Bild via flickr: Ecogreen4us.

Nicht alles was glänzt ist Gold?

Alternativen, die frei von Mikroplastik und anderen Giftstoffen sind, gibt es bereits einige. Gerade in den letzten Jahren ist die Auswahl umweltfreundlicher Verpackungsmöglichkeiten regelrecht explodiert. Auf der Suche nach Alternativen kommt man an meinem Begriff nicht vorbei: dem „Bio-Plastik“.  Selbst das Plastiksackerlverbot enthält in einem Unterpunkt die Ausnahme von „Tragetaschen, die biologisch vollständig abbaubarsind“.Gemeint sind damit biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe, die innerhalt eines bestimmten Zeitraums durch den Einfluss von Hitze, Sauerstoff, Feuchtigkeit, Bakterien und Pilze zu 90 Prozent in Wasser und Biomasse zerfallen können.

Während für viele – nicht zuletzt  für die Politik – das Problem des Verpackungswahnsinns mit der Vermarktung von „Bio-Plastik“ aus der Welt geschaffen scheint, geben sich UmweltschützerInnen und KritkerInnen damit nicht zufrieden.

Achtung, Verwechslungsgefahr!

Denn gerade, wenn Wörter, wie „Bio“ oder „umweltfreundlich“ fallen ist  Vorsicht geboten. Auch die Begriffe „biologisch abbaubar“ und „kompostierbar“ werden oft in in einen Topf geworfen und Produkte aus Bio-Plastik als nachhaltig verkauft.

In der Praxis stellt sich der Prozess des biologischen Abbauens nämlich oft als schwer heraus: Denn tatsächlich bedeutet „biologisch abbaubar“ im Fall des Bio-Plastik  nur, dass die Verpackung auf natürliche Art und Weise, wie durch Mikroorganismen oder Enzyme abgebaut werden kann.

Tatsächlich werden für den Abbau-Prozess Voraussetzungen gefordert, die an Laborbedingungen grenzen. Beispielsweise bauen sich einige kompostierbare Kunststoffe nur bei einer Temperatur von über 60 Grad Celsius vollständig ab – das ist fast. nur in industriellen Kompostierungsanlagen der Fall.

Demnach ist ein, in den Wald geworfenes, Bio-Sackerl, immer noch besser als jene aus Plastik, brauch aufgrund des langsamen Zerfallsprozesses dennoch immer noch mehrere Jahrzehnte bis es ganz verschwunden ist.

Viele Supermärkte werben bereits mit den „biologisch abbaubaren“ Sackerln.

Zwar beinhalten Bio-Plastikprodukte in der Regel Rohstoffen wie Mais, Roter Rübe, Zuckerrohr oder Cellulose. Jedoch können sie auch aus fossilen und erdölbasierten – weniger umweltfreundlichen – Rohstoffen gefertigt werden. Somit kommen auch bei der Herstellung von Bio-Plastik industrielle Kunststoffe zum Einsatz. Das Verzögert nicht nur den Abbauprozess, sondern sorgt erst recht wieder dazu, dass schädliche Inhaltsstoffe auf Umwelt und Mensch übertragen werden.

Im Gegensatz zu „biologisch abbaubar“ meint der Begriff kompostierbar, jene Produkte, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe durch Mikroben tatsächlich zu Kompost zersetzt werden können.

DER WEG IST DAS ZIEL

Zum Schluss bleibt jedoch zu sagen, dass die „Bio-Sackerl“ immer noch eine bessere Variante als jene aus Mikroplastik sind. Bei aller Kritik schaffen sie oft immerhin ein Bewusstsein für den eigenen ökologischen Fußabdruck. Jedoch steht und fällt auch hier alles mit der richtigen Entsorgung

Einen Ratgeber mit Tipps zum Vermeiden von Plastikmüll und Hilfe beim Suchen nach Alternativen gibt „Plastikatlas“ von Global 2000.

(fiktives Veröffentlichungsdatum: 21.1.2020)