Zusehen, wie aus Scheiße Strom gemacht wird

Aus Scheiße wird Strom. Das klingt  unappetitlich, ist aber sinnvoll. Die Hauptkläranlage der Stadt Wien nimmt diese Jahr ihr Projekt „EOS“ in Betrieb und soll nach Fertigstellung mehr Strom produzieren, als bei der Abwasserreinigung verbraucht wird. Eine Besichtigung kann man kostenlos buchen.

„Wir klären alles“ lautet das Moto der Hauptkläranlage der Stadt Wien und das tun sie auch. Alles, was über die Toilette in den Kanal gelangt, wird hier gefiltert, geklärt und gereinigt, bevor das Wasser schließlich in den Donaukanal weitergeleitet wird. 6.000 Liter werden hier geklärt – pro Sekunde. Das entspricht etwa 40 Badewannen. Um diese Menge zu reinigen, braucht man Energie. Viel davon. Aktuell wird etwa ein Prozent des Strombedarfs der gesamten Stadt  zur Reinigung des Abwassers aufgewendet – das soll sich im Laufe des Jahres ändern. Das Projekt „EOS“ (Energie_Optimierung Schlammbehandlung) sorgt dafür, dass aus dem Abwasser mehr Strom genommen wird als zur Reinigung dessen benötigt wird. Clever, aber natürlich ist das auch mit Kosten verbunden: 250 Mio. Euro investiert die Stadt Wien in das Projekt.

Aber wie wird aus Scheiße Strom?

Die Hauptkläranlage verwendet in dem Zusammenhang ein schöneres Wort und redet von „Klärschlamm“. Der Schlamm wird in den Schlammfaulungsanlagen – den sechs weißen Türmen in der Mitte – gesammelt. Die Türme sind sogenannte „Faulbehälter“ und jeweils 30 Meter hoch. Die Faulbehälter werden luftdicht abgeschlossen und Bakterien bauen die organischen Inhaltsstoffe darin ab. Nach 25 Tagen entsteht das Klärgas,  und werden Das anfallende Gas wird schließlich entzündet, um daraus Strom zu gewinnen. Die Wärme, die dabei entsteht, wird in das Wiener Fernwärmenetz eingespeist.

So sieht die Hauptkläranlage im Sommer 2019 aus; wesentlich für „EOS“ sind die sechs Türme in der Mitte, hier wird das Klärgas produziert.

Das übrige Wasser wird in 20 Stunden in der Kläranlage gereinigt,  erst in einer mechanischen Reinigung, wo das Wasser gefiltert wird und schließlich in zwei biologischen Reinigungsstufen, wo dem Wasser Bakterien zugesetzt werden, die Schadstoffe herausfiltert. Und es klappt: Über 100.000 Kilogramm Schmutzstoffe werden dem Wasser entzogen, bevor es in den Donaukanal zurückgeleitet wird und schließlich in die Donau gelangt.

Übrigens: Das Wasser ist nach der Klärung soweit rein, dass es ohne Bedenken zurück in die Donau geleitet werden kann, aber trinken kann man es nicht. Diese leidvolle Erfahrung hat der zuständige Stadtrat bei der Eröffnung im Juni 1969 gemacht als er vor JournalistInnen einen beherzten Schluck geklärtes Wasser getrunken hat. Ein vermutlich unangenehmer Krankenstand war die Folge.

Wer sich das Ganze selbst ansehen will und Lust auf einen unkonventionellen Ausflug hat, ruft einfach bei der Kläranlage an und macht sich einen Termin aus:
per Telefon unter 01/76099 – 5840
per E-mail unter info@ebswien.at