Eistraum im Öko-Fieber

Bereits zum 25. Mal wird von 23. Jänner bis 1. März 2020 am Wiener Rathausplatz Eis gelaufen, Eisstock geschossen und geschlemmt. Zum Jubiläum hat sich der Wiener Eistraum ein Nachhaltigkeitsprogramm verordnet – und wurde als „ÖkoEvent“ ausgezeichnet.

Eine gigantische Eisfläche von rund 9.000 m2, 300 Tonnen Edelsplitt, 22 Sattelschlepper, drei riesige LED-Wände – das sind nur einige Zahlen und Fakten rund um den Wiener Eistraum, der seit einem Vierteljahrhundert jedes Jahr Hunderttausende in die Innenstadt lockt. Das klingt nicht gerade umweltbewusst. Und dennoch wurde das Spektakel, das zum gemeinsamen Eislaufen und Eisstockschießen einlädt, in diesem Jahr mit dem Prädikat „ÖkoEvent“ ausgezeichnet. Dieses Zertifikat verleiht die Stadt Wien an umweltfreundliche Veranstaltungen, die beispielsweise auf Mehrweggeschirr, Bio-Lebensmittel und einen verantwortungsvollen Energieverbrauch setzen.

Um 10 Uhr vormittags trudeln die ersten Besucherinnen und Besucher ein © Tobias Hollerer

„Beim Eistraum werden zum Beispiel ausschließlich energieeffiziente LED-Lampen verwendet“, erklärt Katharina Krischke vom Veranstalter Stadt Wien Marketing. Auch die Isolierungen werden ständig verbessert, um Energie zu sparen. Heizpilze im Freien sind laut Kriterienkatalog des „ÖkoEvent“ strengstens verboten. Und trotzdem sehen einige Besucherinnen und Besucher das Öko-Zertifikat teils kritisch. „Ich befürworte das natürlich, dass man auf die Umwelt schaut, aber mir kommt das Ganze schon eher vor wie ein Werbe-Gag. Diese enormen Mengen an Wasser, die man da braucht – das kann nicht wirklich nachhaltig sein“, meint Studentin Julia, die mit einigen Freunden am größten Eislaufplatz der Stadt ihre Runden dreht.

Winterliche Schmankerl – regional und bio

Neben dem Eislaufspaß für Groß und Klein steht vor allem die Gastronomie ganz im Zeichen der Öko-Zertifizierung. Das Angebot erinnert an Weihnachtsmärkte und Skihütten. Von Spätzle bis hin zu Punsch und Kaiserschmarren ist alles dabei. Laut „ÖkoEvent“-Richtlinien muss ein Großteil der angebotenen Speisen und Getränke biologisch sein. Auf tierische Produkte sollte weitgehend verzichtet werden, denn mindestens die Hälfte der Gerichte muss vegetarisch oder vegan sein – so sehen es die „Spielregeln“ vor. Öko – das bedeutet aber auch, dass beim Eistraum gegen Müllberge angekämpft wird. „Ich kann nicht mit dem Coffee to go-Becher von Starbucks in die Arbeit kommen. Auch wir Mitarbeiter müssen uns natürlich an die Regeln halten. Da gibt es regelmäßig Kontrollen“, verrät Sarah, die bereits zum dritten Mal am Rathausplatz hinterm Tresen steht und hungrige Eisläufer versorgt.

Die „Nigls Gastwirtschaft“ ist bereits zum dritten Mal dabei © Tobias Hollerer

„Unsere Nachkommen sollen auch eine schöne Zeit auf dieser Welt haben.“

Viele Leute würden immer noch nach Alufolie zum Einpacken fragen, meint Sarah. Als Zeichen für den Umweltschutz wird bei der „Nigls Gastwirtschaft“ aber auf jegliche Verpackung verzichtet. Getrunken wird aus Häferl und nicht aus PET-Flaschen, die Strohhalme sind aus Papier anstatt aus Plastik. Zudem können Speisen ausschließlich in Menage-Reindln mit nach Hause genommen werden. „Das in die Köpfe der Leute reinzukriegen, dass sie sechs Euro Pfand für ein Behältnis zahlen sollen, ist leider noch ein bisschen schwierig“, so die engagierte Eistraum-Mitarbeiterin. „Aber immerhin ist es eine Familienveranstaltung und wir sollten alle zusammenarbeiten, damit auch unsere Nachkommen eine schöne Zeit auf dieser Welt haben.“

An morgen denken – Das ist beim Eistraum 2020 das Motto © Tobias Hollerer

Zu gut, um im Müll zu landen

Dass man Nachhaltigkeit am Rathausplatz zur Zeit großschreibt, zeigt auch „Too good to go“ – eine App, die sich den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung in ganz Europa zum Ziel gesetzt hat. Etwa 587.000 Tonnen einwandfreie Lebensmittel landen allein in Österreich jedes Jahr im Müll – nicht so beim Wiener Eistraum. Kurz bevor die Gastronomiehütten sich in den Feierabend verabschieden, gibt es übriggebliebenen Kaiserschmarren und Co. viel günstiger. Auch Jonny, der am Rathausplatz gebrannte Fairtrade-Mandeln und Lebkuchenherzen verkauft, engagiert sich für die „Rettung“ von überschüssigen Schmankerl, die „too good to go“ sind. „Alles was übrig bleibt, kurz bevor ich zusperre, können die Besucherinnen und Besucher über die App zu einem Drittel des Preises kaufen“, so der Gastronom. Der Öko-Gedanke zieht sich also durch das ganze Event.

 

Öffnungszeiten: 

Von 23. Jänner bis 1. März 2020

täglich von 10:00 bis 22:00 Uhr

Preise Tagestickets:

Erwachsene: 8 €

Kinder: 5,50 €

Senioren: 6 €

Geheimtipps:

  • Die Tickets können auch im Vorhinein online gekauft werden. So erspart man sich 10% des Kaufpreises.
  • Für Eislaufbegeisterte, die knapp bei Kasse sind: Ab 21:30 ist der Eintritt kostenlos.

Weitere Informationen zum Wiener Eistraum: https://www.wienereistraum.com/

Alle Kriterien, die bei einem ÖkoEvent erfüllt sein müssen, sind hier zu finden: https://www.oekoevent.at/

Alles was zu gut ist, um im Müll zu landen, gibt es hier: https://toogoodtogo.at/de-at

 

Titelbild: Stadt Wien Marketing/Christian Houdek