Pavarotti: Ein Meister der Musik

Er gilt als bedeutendster Tenor des 20. Jahrhunderts: Luciano Pavarotti ist auch zwölf Jahre nach seinem Tod eine Legende der Opernwelt. Nun hat Regisseur Ron Howard das beeindruckende Leben der Musik-Ikone verfilmt. Die Dokumentation „Pavarotti“ läuft seit 26. Dezember in den österreichischen Kinos und zeigt das intime Porträt eines Mannes, dessen Leidenschaft weit über die Musik hinausging.

Eine Jahrhundertstimme für alle: Luciano Pavarotti gelang es, die Oper aus der elitären Ecke zu holen und sie einem breiten Publikum nahezulegen. Mit „Pavarotti“ hat der Regisseur Ron Howard bereits seine dritte Musikdokumentation gedreht, die seit 26.12 in österreichischen Kinos zu sehen ist. Durch intime Ausschnitte aus dem Familienarchiv, Interviews mit Vertrauten und Kollegen sowie Mitschnitte von Live-Auftritten taucht man in die faszinierende Welt des Ausnahmekünstlers aus Modena ein. Im Cineplexx-Kino am Wienerberg lässt der Dokumentarfilm keinen Zuseher unberührt zurück.

In der Großen Halle des Volkes gab Luciano Pavarotti 1986 sein Solodebüt in Peking, China. © Wild Buch Germany

Italienisches Ausnahmetalent

Als Rodolfo in Puccinis „La Bohème“ debütierte Pavarotti 1961 am Opernhaus von Reggio nell’Emilia. Der Live-Ausschnitt des Auftritts macht im Film gleich zu Beginn bewusst, dass es sich bei dem Italiener um ein Ausnahmetalent handelt. Seinen Beruf als Volksschullehrer konnte Pavarotti nach jenem Debüt nicht mehr lange ausüben: es folgten zahlreiche Einladungen nationaler und internationaler Opernhäuser, große Werbekampagnen und Auftritte vor Millionenpublikum, wodurch der Sohn eines Bäckers zu einem Weltstar emporstieg. Der gemeinsame Auftritt mit den Tenören Plácido Domingo und José Carreras in den römischen Caracalla-Thermen bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 führte Pavarotti zum Höhepunkt seiner Karriere. Seine Stimme galt als einzigartig, unvergleichbar mit jedem anderen Opernsänger. „Niemand berührt so sehr wie Pavarotti. Er ist großartig“, meint die Kinobesucherin Maria.

„Niemand berührt so sehr wie Pavarotti“

– eine Kinobesucherin

Das Konzert von Luciano Pavarotti, José Carreras und Plácido Domingo bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 erreichte 1 Milliarde Fernsehzuschauer auf der ganzen Welt. © Wild Bunch Germany

Ein Herz für alle

Doch der Künstler wollte nicht nur mit seiner Stimme die Welt bewegen: vor allem in seinen letzten Jahren widmete sich Pavarotti vermehrt der gemeinnützigen Arbeit und kehrte der Oper den Rücken zu. Viele Kritiker warfen dem Sänger vor, er würde zu einem Popstar mit Vorliebe für Kommerz mutieren, der die Oper in ein schlechtes Licht rückte. Mit den „Pavarotti & Friends“-Konzerten, bei denen Pavarotti mit namenhaften Künstlern wie Zucchero und U2 performte, wurden Spendengelder für Kinder in Kriegsgebieten wie Bosnien und Liberia gesammelt. Eine berühmte Unterstützerin jener Aktionen war Lady Diana, die auch zu einer Freundin des Sängers wurde. In seinem Umfeld bleibt Pavarotti als guter „Amico“ in Erinnerung. Private, bislang nie veröffentliche Aufnahmen zeigen einen Weltstar, der seinen Ruhm nie alleine genießen wollte: nach Auftritten lud er unzählige Menschen ein, mit ihm zu essen, weil er die Einsamkeit hasste.

Der Regen hielt Luciano Pavarotti nicht von seinem Auftritt im Hyde Park in London ab. Unter den Gästen: Lady Diana, die später zu einer Freundin des Sängers wurde. © Wild Bunch Germany

Ruhm und Arroganz

Es gibt allerdings auch kritische Stimmen gegenüber dem Opernsänger. Die Kinobesucherin Eva findet, Pavarotti habe sich in seinen letzten Jahren in eine Marke verwandelt: „Vor allem gelegentliche Opernbesucher haben sich vom Glanz des großen Namens blenden lassen. Er war hinreißend gut, hatte aber auch katastrophal schlechte Auftritte“. Seine arrogante Persönlichkeit habe ihm viel Kritik in der Opernszene entgegengbebracht. In der Biographie beschreibt die Opernsängerin Madelyn Renée, mit der Pavarotti eine langjährige Affäre hatte, dass für den Künstler jedes Taschentuch an seinem Platz sein musste. Er sei (wie man es von einem künstlerischen Genie gewohnt ist) penibel und überheblich gewesen. Das Image von Pavarotti wurde jedoch nicht wegen seiner Arroganz geschädigt, viel mehr waren es seine privaten Kontroversen. Von 1960 bis 2000 war Pavarotti mit Adua Veroni verheiratet, mit der er drei gemeinsame Töchter hat. 1993 kamen Urlaubsaufnahmen des Sängers mit seiner Sekretärin Nicoletta Mantovani ans Licht, es folgte großes Entsetzen im Heimatland und langwierige Scheidungsverhandlungen. 2003 heiratete er Mantovani in einer Oper, das Paar hat eine gemeinsame Tochter.

„Für ihn musste jedes Taschentuch an seinem Platz sein.“

– Madelyn Renée

Die Affäre von Luciano Pavarotti mit Nicoletta Mantovani löste großes Entsetzen in Italien aus. 2003 heirateten sie in einer Oper. © Wild Bunch Germany

Nationale Tragödie

Das Familienglück wurde Pavarotti allerdings nicht für lange Zeit gewährt. Am 6. September 2007 starb der Opernsänger im Alter von 71 Jahren an Nierenversagen, es war die Folge eines langwierigen Kampfes gegen eine Lungenentzündung und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Besucherin Maria erinnert sich: „Ich weiß noch genau, als meine Mutter zu mir sagte: Pavarotti ist gestorben. Es war eine nationale Tragödie in Italien.“ So ist es auch eine der letzten Szenen im Film, die besonders bewegt: Luciano Pavarotti bei seinem letzten großen Auftritt, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2006. Er trug eine seiner berühmtesten Arien, „Nessun dorma“ mit dem Dirigenten Leone Magiera in Turin vor. Der Opernsänger wirkt, als wüsste er, dass dies sein letzter Auftritt sein würde. So genoss Pavarotti den tosenden Applaus ein letztes Mal, bevor er dem Publikum für immer den Rücken zukehrte.

 

Beitragsbild © Wild Bunch Germany