Brexit, Flags of the United Kingdom and the European Union on cracked background

BREXIT – das Aus für StudentInnen?

Das Vereinigte Königreich war immer ein beliebtes Ziel für Auslandssemester bei Studenten. Bis jetzt war es auch unkompliziert, von Österreich auf die Insel zu reisen, um dort an einer der vielen renommierten Universitäten wie Oxford, Cambridge oder der London School of Economics and political Science zu studieren. StudentInnen aus der EU wurden wie britische Staatsbürger behandelt: sie zahlten dieselben Gebühren („Home Fee Status“) und hatten Zugang zu einer staatlichen Studienförderung. Und jetzt?

Am 23. Juni 2016 entschieden sich die Briten für einen Austritt aus der EU. Gestern, knapp dreieinhalb Jahre später, war es dann auch endlich soweit – das Vereinigte Königreich ist nicht mehr Teil der Europäischen Union. Es gibt viele Überlegungen, wie es nun mit der britischen Wirtschaft weitergeht oder was der Brexit für Europa bedeutet. Aber was müssen die knapp 2000 österreichischen StudentInnen beachten, die sich momentan auf der anderen Seite des Ärmelkanals befinden? Was ist wichtig, wenn man in den kommenden Semestern im Vereinigten Königreich studieren will?  Wir haben die wichtigsten Informationen zusammengesammelt, damit ihr es nicht mehr tun müsst.

Eine erste Entwarnung

Laut der Higher Education Statistics Agency studieren aktuell 485.000 nicht-britische StudentInnen an den verschiedenen Hochschulen des Vereinigten Königreichs. 143.000 davon stammen aus Ländern der Europäischen Union, 2000 der Studierenden kommen aus Österreich. Umso wichtiger ist es genau zu wissen, wie es weiter geht. Wir haben jedoch erstmal gute Nachrichten: Während der Übergangszeit bis 31. Dezember 2020 gelten für alle StudentInnen dieselben Bedingungen wie vorher. Bis dahin sollten alle noch offenen Fragen von der Regierung geklärt werden.

Wie es danach weiter geht kann man nur abwarten, im schlimmsten Fall kommen 2021 für Studierende aus der EU verschärfte Aufenthaltsbedingungen, höhere Studiengebühren (angepasst an die Höhe der Studiengebühren für StudentInnen aus Drittstaaten, also fast doppelt so hoch wie aktuell) und keine Möglichkeit auf einen Studienkredit zu. Doch das ist das absolute „Worst-Case“-Szenario. Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass die Verhandlungen zugunsten der Studenten ausfallen. Vor allem wenn man die hohen Zahlen an Studenten aus der EU in Betracht zieht, die sich momentan im Vereinigten Königreich befinden.

ERASMUS+

Die Übergangszeit gilt übrigens auch für alle Erasmus-Studenten. Bis Ende des Jahres läuft alles wie gewohnt und wird weiter voll finanziert. Ob das Vereinigte Königreich jedoch Teil von Erasmus+ bleibt, ist noch offen. Eine mögliche Lösung wäre, mit ihnen einen Sondervertrag auszuhandeln, sodass das Land als Nicht-Mitglied der EU, wie aktuell zum Beispiel Norwegen, an dem Austausch-Programm teilnimmt. Eine andere Möglichkeit wäre, das Vereinigte Königreich zu einem Partnerland zu machen. Hierfür müssten allerdings die Bedingungen ausverhandelt werden, was wiederum dauern könnte.

Auch wenn momentan von Erasmus+ aus nicht mit einem Interessensrückgang gerechnet wird, im Vereinigten Königreich zu studieren, gibt es natürlich die Möglichkeit, in anderen Ländern einen englischsprachigen Erasmus zu absolvieren, wie zum Beispiel in Irland, der Niederlande oder in Skandinavien.

(c) OeAD/Alexandra Reidinger

Leben in der UK

Wer als nicht-britischer Staatsbürger schon im Vereinigten Königreich lebt und noch vor dem Brexit dorthin gezogen ist, sollte sich bis spätestens 30. Juni 2021 um eine weiterführende Aufenthaltsgenehmigung beim EUSS (EU Settlement Scheme) bewerben. Die Bewerbung ist laut der britischen Regierung kostenlos und einfach.

Wenn es kein Abkommen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich gibt, gelten neue Einwanderungsregeln für EU-Bürger. Für Studierende bedeutet dies, dass sie nach einem dreimonatigen Aufenthalt auf der Insel eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen müssen, die es ihnen erlaubt 36 Monate zu bleiben. Wie die Regelung für Studierende aussieht die länger als diese Zeit bleiben wollen, ist noch nicht bekannt.

Ich bin fertig – was nun?

Eine weitere Komplikation, die auf Studierende zukommt, ist die Anerkennung von Zertifikaten und Qualifikationen. Seit gestern müssen zum Beispiel Zeugnisse, die den Berufszugang gewähren, nostrifiziert werden. Erst dann können sich Absolventen britischer Hochschulen nach den österreichischen Berufsvorschriften für einen Job bewerben.

Der Berufseinstieg für Studierende im Vereinigten Königreich wird ebenfalls erschwert. Die Jobchancen verschwinden zwar nicht, man muss jedoch die Ansprüche und Kriterien für ein langfristiges Visum erfüllen.

Illustration, Europäer winken davonschwimmendem Großbrittannien zu
(c) BR – Graphik, Angela Smets

Bye bye Britain, see you soon!

Wie es auch weitergehen mag mit den Verhandlungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union, es bleibt auf jeden Fall spannend. Aus Sicht von StudentInnen gibt es allerdings noch keinen Grund zur Sorge. Wer also sein Auslandssemester im Vereinigten Königreich plant oder gar dort hin ziehen will, sollte sich nicht von etwas wie dem Brexit verunsichern lassen, denn es wird auf jeden Fall Lösungen für alle möglichen Probleme geben,  wenn auch erst in einem Jahr.

Bis es soweit ist, muntert uns Schottland ein wenig auf – immerhin ist die Situation nicht verloren, sondern nur ein wenig komplizierter.

Weiterführende Links:

Wichtige Daten:
31.01.2020 "Brexit", Ausstieg des Vereinigten Königreiches aus der EU
31.12.2020 Ende der Übergangszeit
30.06.2021 Ende der Bewerbungsfrist für EUSS