Polittheater und das Ende der Sozialdemokratie

Das WERK X in Meidling aktualisiert die „Arbeitersaga“ von Peter Turini und Rudi Palla. Die Krise der Sozialdemokratie bleibt auch 2020  aktuell. Zwei neue Folgen, zwei neue RegiseurInnen. Inhaltlich treu bleibt das Alternativtheater seiner Themensetzung.

Das WERK X setzt mit der Arbeitersaga Folge 3 und 4 seine Auseinandersetzung mit der Sozialdemokratie und der ArbeiterInnenbewegung auf der Bühne fort. Gestern wurde die Premiere nach der gleichnamigen ORF-Produktion von Peter Turini und Rudi Palla aufgeführt. Martina Gredler Regisseurin von Folge 3 besetzt die männlichen Rollen mit vier Schauspielerinnen . In der vierten Folge steht Kaptialismuskritik im Mittelpunkt. Dazu schickt Regisseur Bernd Liepold-Mosser seine DarstellerInnen im Skigwand mit Gitarre auf die Bühne.

Folge 3

Die Zeit der Großparteien ist in Österreich zu Ende. Die Sozialdemokratie ist angezählt. Bei der letzten Nationalratswahl erhielt die SPÖ gerade einmal 21 Prozent der Stimmen und damit ein historisch schlechtes Ergebnis. Ein Korruptionsskandal ist dafür zwar nicht verantwortlich, bekannt mutet das Szenario der dritten Folge trotzdem an.

Arbeitersaga Folge 3, Fotocredit: Alexander Gotter

Der Bau einer Müllverarbeitungsfabrik, die öffentliche Gelder flüssig machen soll, ein korrupter Stadtrat, sein Pressereferent, ein Journalist, eine Briefkastenfirma in der Schweiz. Machtfantasierende Männer, die versuchen, ihre eigenen Lügenkonstrukte zu überdauern. Ein genialer Schachzug von Regisseurin Gredler diese großen, wichtigen Männer in zierlicher weiblicher Gestalt auf die Bühne zu bringen. Übertrieben gespielt bleiben sie ihren Charakteren sehr nah.

Höhepunkt der Inszenierung ist sicherlich als eine der Schauspielerin zu Johanna Dohnal mutiert und dem unsäglichen Pressereferent Rudi Blaha den Hintern aushaut.

Folge 4

Täglich neue Katastrophenmeldungen: die Natur kann nicht mehr und das Menschenleid nimmt in Zeiten des Neoliberalismus gefühlt zu. Der Kapitalismus ist am Ende und wir mit ihm. Aber was heißt das eigentlich? Dieser Frage geht Bernd Liepold-Mosser in der vierten Folge der Arbeitersaga nach:

Arbeitersaga Folge 4, Fotocredit: Alexander Gotter

Das Bühnenbild wird zwischen den beiden Folgen vor den Augen der ZuschauerInnen umgebaut. Das zentrale Element bleibt bestehen, trotzdem finden wir uns in einer gänzlich neuen Szenerie. Die Systemkritik wird livegesprochen erstmal auf die eine große Leinwand projiziert. Die SchauspielerInnen steigen in Skimontur auf die Bühne und fixieren sich selbst in den Bindungen.

Neben dem Klimawandel werden auch Identität, das Leben als GastarbeiterIn-Kind und gesellschaftliche In- und Exklusion verhandelt. Ratlosigkeit und Verzweiflung bleiben präsent, auch wenn die Truppe angesichts der Umstände heiter auf der Skipiste singt.

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Wer sich für das Original von Peter Turin und Rudi Palla interessiert, kann hier einen kleinen Einblick erhaschen:

Eine Vorschau für die Arbeitersaga, die derzeit im WERK X läuft gibt es hier:


Die Arbeitersaga wird an folgenden Terminen im WERK X aufgeführt:

WERK X, Do 16. Januar 2020, 19.30 Uhr (PREMIERE)

WERK X, Sa 18. Januar 2020, 19.30 Uhr

WERK X, Fr 24. Januar 2020, 19.30 Uhr

WERK X, Sa 25. Januar 2020, 19.30 Uhr

WERK X, Fr 28. Februar 2020, 19.30 Uhr

WERK X, So 01. März 2020, 19.30 Uhr

Eine Karte kostet EUR 20. Es gibt diverse Ermäßigungen. Unter 26jährige bezahlen EUR 10.

Fotocredit Titelbild: Alexander Gotter

Fiktives Veröffentlichungsdatum ist der 17.1.2020.