Rund-Um-Sorglos-Paket: Hochzeit

Das Geschäft mit der Liebe floriert. Immer ausgefallener und beeindruckender soll der schönste Tag des Lebens sein. Egal ob klassisch in Weiß, im Vintage Stil, mit Lamas als Hingucker, oder eine indische Märchenhochzeit: Wedding Planner haben für alles den richtigen Riecher. WIFIs und BFIs im ganzen Land bilden in eigenen Kursen jährlich neue Wedding Planner aus. Doch der Beruf ist mehr als nur Blumendeko auswählen oder das richtige Blautkleid finden. Und obendrauf ein echter Konkurrenzkampf.

Wer denkt, Liebe halte ohnehin nicht mehr für immer und links und rechts würde man nur noch Scheidungen sehen, der irrt. 2018 konnte Österreich in Sachen Eheschließungen wieder ein Plus von 3,3% verzeichnen. Die Scheidungsrate blieb konstant bei 41%. Herr und Frau Österreich hat also wieder das Heiratsfieber gepackt. Doch weiterhin plant der Großteil seine eigene Hochzeit selbst oder mit Unterstützung von Freunden und Familie. Wedding Planner, die nur etwa 3% der Eheschließungen in Österreich begleiten, werden als unnötig empfunden: „Ich finde, jeder sollte es zamkriegen, seine eigene Hochzeit in Österreich zu planen,“ meint Stefan, der erst im September im kleinen Kreis geheiratet hat. Einen Wedding Planner hätten er und seine Frau aus Kostengründen nicht in Erwägung gezogen: „Uns war‘s das nicht wert.“

„Jeder sollte es zamkriegen, seine eigene Hochzeit in Österreich zu planen“

Wedding Plannerin Elisabeth Brandl ist seit 15 Jahren im Geschäft und kennt die Kritik. Der Wert ihres Berufes wäre noch nicht beim Kunden angekommen, meint sie: „Welches Paar hat denn wirklich Lust, selber zu schauen: Ist die Torte da, ist das gescheit dekoriert, rennt die Heizung, sind die Allergiker berücksichtigt, hat der Fotograf sein Licht mit?“. Am großen Tag hat das Brautpaar schließlich andere Sorgen.

Mit Lamas fürs Hochzeitsfoto posieren: ein neuer Trend in der Hochzeitswelt. PhotoCredit: Laura Stern, Sternenglueckfotografie, aufgenommen am Alpakahof Mitterdorf/a.d.R

 

Doch auch für Brandl ist es kein Leichtes, Aufträge an Land zu ziehen. Einerseits liege das am geringen Bekanntheitsgrad der Branche, andererseits am Preis. Denn hat ein Paar einmal den Weg zu ihr gefunden, würden diese zwar sehr wohl den Wert eines Wedding Planners erkennen. Trotzdem fehlt die Bereitschaft zur Bezahlung. Brandls Stundensatz liegt bei 98 Euro. Die Pauschale für eine gesamte Hochzeit bei 2900 Euro oder 10% des gesamten Hochzeitsbudgets. Kein großes Wunder also, dass bei den Preisen viele Paare Reißaus nehmen. Doch laut Brandl müsse man die Zahlen realistischer und differenzierter sehen: „Wenn der Fotograf einmal 7000 kostet, der Florist einen Zehner, und du stehst da und hast eigentlich die meiste Arbeit: Dann bist frustriert.“

Ein Wedding Planner ist für eine Hochzeit, was der Architekt für ein Haus ist

Dabei machen die klassischen Hochzeitsbegleitungen von A bis Z bei Weitem nicht das gesamte Spektrum der Wedding Planner aus. Manche Paare stattet Brandl in ein paar Gesprächen mit dem nötigen Know-How aus, um selbständig ihre eigene Hochzeit planen und durchführen zu können. Andere lehnen sich lieber zurück und genießen ihr Rundum-Sorglos-Wedding Planner Paket: „Sie können das ungefähr so sehen, wie bei einem Architekten. Ich kann mir den entweder einladen für einen ganzen Hausbau, oder ich kann sagen: bitte zeichne mir nur den Plan“, so Brandl.

Doch die Branche verändert sich laufend und entwickelt so neue Marktnischen für die Wedding Planner. Mittlerweile gehören so-genannte „Renewals“, das Eheneuversprechen, zum neuen Trend in der Hochzeitswelt. Dabei geben sich ältere Paare, deren Hochzeit seinerzeit wenig mit Individualität zu tun hatte, noch einmal das Ja-Wort. Lukrativ sind außerdem die Symbolischen Hochzeiten. Dabei zahlen meist asiatische Paare gutes Geld, um sich durch die österreichischen Klassiker Wien, Salzburg, oder Hallstadt für die ganz besonderen, in ihrer Heimat prestigeträchtigen, Hochzeitsfotos kutschieren zu lassen.

Der Markt mit ausländischen Hochzeiten wächst und ist lukrativ: Die Ausgaben liegen mit durchschnittlich 50.000 Euro weit über dem Budget einer österreichischen Hochzeit. @Samuel Colombo|Optical engineers für elegantevents.at

 

Um Neulingen der Branche den Einstieg zu erleichtern und sie auf Trends und Herausforderungen vorzubereiten, geben Brandl und eine Handvoll anderer, sogenannter Senior Wedding Planner, in Kursen am WiFi und BFi ihr Wissen weiter. In 88 Lehreinheiten und für 1100 Euro trichtern sie den zukünftigen Organisationstalenten das nötige Know-How ein. Notfallmanagement, Budgetberechnungen, Verträge und Grundlagen des Anmeldegewerbes gehören hier genauso zum Stundenplan wie Deko, Agape, Zeitplan und Catering.

„Es ist schon ein hartes Geschäft“

Danja Ferschner-Kausz war im Frühjahr 2019  Brandls Schülerin am WiFi in Eisenstadt. Die mitt-Vierzigerin ist Quereinsteigerin, war im kaufmännischen Bereich tätig, bis sie ihren Job schmiss und sich durch ein Brainstorming dazu entschied, ihrem Traum vom Wedding Planner nachzugehen: „Es ist nicht einfach, reinzukommen und Aufträge zu bekommen. Man hat noch keine Referenzen.“ Nicht alle ihrer Kolleginnen aus dem Kurs wären dabeigeblieben. „Es ist schon ein hartes Geschäft,“ gibt sie zu.

Der Beruf Wedding Planner ist vor allem unter Frauen beliebt. Nur etwa 1% der österreichischen Wedding Planner sind Männer.

TÜV-getestet und für Gut befunden

Auch Brandl brauchte 10 Jahre um sich in der Branche einen Namen zu machen. Denn nicht nur ihre Kunden müssen im Erstgespräch überzeugt werden. Auch die Wirtschaft hätte die Vorteile eines Wedding Planners noch nicht erkannt, so Brandl: „Das ist nach wie vor unser größtes Handicap: Unseren Wert zu verkaufen. Es ist nicht der Preis, es ist der Wert. Was hat ein Hotelier, was hat ein Gastronom, was hat eine Friseurin, was haben die von einem Wedding Planner?“. Viele Einsteigerinnen der Branche bieten ihre Wedding Planner Dienste daher oft unter ihrem Wert an, was die Branche für etablierte Plannerinnen wie Brandl noch schwieriger mache. Seit 2016 gibt es daher eine professionelle Zertifizierung, samt TÜV Gütesiegel. Dadurch können Anwärterinnen die Titel <Junior Wedding Planner> (3 Jahre als Wedding Planner tätig) und <Senior Wedding Planner> (7 Jahre im Geschäft) erlangen, was ihnen am Markt die nötige Seriosität bietet.

Die Branche wächst, adaptiert sich, erfindet sich neu. Am 27. Jänner fand der Austrian Wedding Award statt. Am 06. Februar wird in Klagenfurt das 5. Österreichische Wedding Planner Symposium über die Bühne gehen, das neben Workshops und Expertenvorträgen auch Zeit zum Networken bietet. Wichtige Daten für all jene, die sich das Geschäft mit der Liebe zum Beruf gemacht haben.

 

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Der nächste Wedding Planner Kurs am WiFi Wien findet vom 03.04. bis 15.05. 2020 statt.