Spätes Familientreffen: Zeitreisen mit der Familie Ephrussi

Das Jüdische Museum Wien zeigt noch bis 13. April die Ausstellung „Die Ephrussis. Eine Zeitreise“ über eine aus Österreich vertriebene jüdische Bankiersfamilie, die durch Edmund de Waals Bestseller „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ weltweit bekannt wurde. Die Ausstellung beleuchtet anhand der Familiengeschichte auch mehrere Jahrhunderte europäischen Mäzenatentums.

Die Ausstellung „Die Ephrussis. Eine Zeitreise“ zeigt eine verschwundene Welt. Auf den Spuren der jüdischen Familie Ephrussi erzählt das Jüdische Museum Wien den gesellschaftlichen Aufstieg und die Blütezeit der vermögenden Familie im 19. und frühen 20. Jahrhundert ebenso, wie die entsetzliche Vertreibung durch das NS-Regime und den Neuanfang in der Diaspora. Nicht nur als erfolgreiche Unternehmer, sondern auch als Kunstsammler waren die Ephrussis ein wichtiger Bestandteil des Wiener und des europäischen Kulturlebens gewesen.

Eine kosmopolitische Familie
Die Familie hat ihre Ursprünge im Gebiet der heutigen Ukraine. Im 19. Jahrhundert wanderten Teile der Ephrussis nach Wien und Paris aus, um Dependancen der familieneigenen Bank zu eröffnen. Die Wiener Ephrussis unter Ignaz von Ephrussi wurden schnell zu einer der vermögendsten Familien der Stadt und ließen 1872/73 ein prächtiges Ringstraßenpalais nach Plänen von Theophil Hansen am Schottentor bauen. In Paris wurde Charles Ephrussi gar zu einem Vorbild für die Figur des Kunstsammlers Swann in Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, weitere Familienmitglieder standen dem Maler Auguste Renoir Modell.
Anhand zahlreicher Dokumente aus dem Familienarchiv zeichnet die Ausstellung nach, wie sich die Familie durch die Flucht vor den Nationalsozialisten auf die ganze Welt verteilte- von Mexiko City bis London, von New York bis Tokio.

Der Kunstsammler Charles Ephrussi in Paris ©wulz.cc

„Wir haben uns selbst restituiert.“
Eine wichtige Rolle in der Ausstellung spielt der Ephrussi-Nachkomme Edmund de Waal. Mit seinem Erfolgsroman „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ (2010) hat er sich auf die Suche nach seinen Vorfahren gemacht und das Ergebnis dieser Ahnenforschung präsentiert. De Waal hatte von seinem Großonkel Iggie Ephrussi eine Sammlung kleiner Figuren aus Japan geerbt, die den Ausgangspunkt der Erzählung bilden, darunter den titelgebenden Hasen mit den Bernsteinaugen. Diese Figuren sind Teil der Ausstellung und De Waal hat die Sammlung inzwischen dem Jüdischen Museum Wien überlassen.

Ein Teil der Figurensammlung aus Japan © wulz.cc

Neben der Vertreibung wirkt der Raub der Besitztümer der Familie bis heute nach. „Die Restitution dieser Dinge gestaltete sich ziemlich schwierig. Von 1945 bis 2019 gab es immer wieder Fälle, in denen der Familie Besitz zurückgegeben worden ist.“ sagt Tom Juncker, der die Ausstellung gemeinsam mit Gabriele Kohlbauer-Fritz kuratiert hat. Erst durch die Recherchen zur Ausstellung wurde beispielsweise ein Bild aus der Sammlung des Wien Museums rechtmäßig der Familie Ephrussi zurückgegeben.

Autor Edmund de Waal, sein Vater Victor de Waal, Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Museumsdirektorin Danielle Spera bei der Eröffnung der Ausstellung

Bei der Eröffnung der Ausstellung am 6. November 2019 waren 41 Mitglieder der Familie Ephrussi anwesend, darunter De Waals 90-Jähriger Vater Victor, der seine Großeltern einst noch im Palais am Universitätsring besucht hatte. Edmund de Waal zeigte sich über dieses späte Familientreffen auch wegen seiner symbolischen Wirkung erfreut: „Wir haben uns selbst restituiert.“

Die Ausstellung „Die Ephrussis. Eine Zeitreise“ ist noch bis 13. April im Jüdischen Museum Wien zu sehen.