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Wiener Pony-Karussell sperrt nach 128 Jahren zu

 
Der Wiener Prater hat eine Attraktion weniger: Das seit 1887 bestehende Pony Karrusell macht nach Finanzierungsproblemen und anhaltender Kritik am Tierleid die Pforten dicht – und schlägt Tierschützern noch ein Schnippchen.
Für die einen war es eine Instítution, für die anderen ein Relikt aus dunklen Zeiten. Das Pony-Karussell im Wiener Prater hat nach 128 Jahren Betrieb geschlossen. Zu schwer wurde die Kritik in den letzten Monaten. Auch die Kundschaft wurde in den letzten Jahren immer weniger.

Maßgeblich beteiligt an der Schließung war die österreichische Tierschutzorganisation VIER PFOTEN, die seit Sommer 2016 mit den Besitzern des Karussells in Verhandlung steht. Die Pferden
sollen endlich in Pension gehen dürfen, denn das Zeitalter der Tierattraktionen sei vorbei – so die Tierschützer. Die Verhandlungen ergaben, dass die Besitzer des Karussells mit Ende Jännerschließen würden und die Pferde auf der Betriebseigenen Weide ihren Lebensabend ungehindert verbringen können. Bis vor kurzem sah es auch so aus, als ob alles wie geplant verlaufen würde, bisdie Karussellbetreiber aus dem Deal ausstiegen um eigene Pläne zu verfolgen.
Die Ponys bei der Arbeit. ‎© VIER PFOTEN
Umschulung statt Pension
Es bleibt zwar beim Versprechen das Pony Karussell zu schließen, aus dem ruhigen Leben für die Ponys wird jedoch nichts. Diese werden nämlich umgeschult um auf der Reitbahn der Besitzer
außerhalb Wiens weiterarbeiten. „Einklarer Bruch unserer Vereinbarungen!“, kritisieren die VIER PFOTEN und kündigen weitere Protestaktionen an.
Grund für das Einschalten der Tierschützer waren die Arbeitsbedingungen der Pferde. Für sie war es den Pferden nicht zumutbar an jedem Tag und bei jedem Wetter nichts zu tun als im Kreis zu gehen, auch wenn rechtlich gesehen alles einwandfrei war. Dies ging nicht nur den VIER PFOTEN gegen den Strich: Täglich wurden die Mitarbeiter des Karussells angeblich von Passanten beschimpft.
Was passiert mit dem Karussell?
„Mit dem Neubeginn des Pony-Karussells entsprechen wir den zeitgemäßen Wünschen unserer Besucher, die Attraktion nicht mit Pferden betreiben zu lassen“, teilt Michael Prohaska,
Geschäftsführer der Prater Wien GmbH in einer Aussendung
mit. Er deutet an, das Karussell mit neu eröffnen zu wollen – ohne Pferde. Schließlich handle es sich um ein Stück Geschichte des
Wiener Praters.
Inzwischen haben die VIER PFOTEN zu einem Flowerstorm – dem Gegnteil eines Shitstorms – aufgerufen. Mit einer Aktion am Stephansplatz, wo sie Blumen und Postkarten verteilten, wollen sie
auf die Situation der Ponys aufmerksam machen.
Flower Walk vom Schwedenplatz zum Stephansplatz.  ‎© VIER PFOTEN