Mit Atomkraft gegen die Klimakrise?

Die Franzosen zählen 56 Atomkraftwerke, die Briten planen gerade Nummer 16. Frankreich und England setzen im Kampf gegen die Klimakrise weiter auf Atomstrom. Die Diskussion um die Zukunft der Kernenergie in Europa ist wieder entfacht. Nicht zuletzt weil die EU überlegt, Atomenergie als nachhaltig anzuerkennen.

Atomkraft? Nein danke! Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2020 sind 79 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher gegen Atomkraft. Zu gefährlich, zu langsam und zu teuer, lauten häufig die Argumente. Zahlreiche EU-Länder wie Frankreich und England sehen das grundlegend anders: Atomkraft? Ja bitte! Sie erhoffen sich durch das Setzen auf Kernergie eine Reduktion des CO2 Fußabdruckes.˝

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40.000 Corona-DemonstrantInnen ziehen durch Wien

Die Stimmung bei der bisher größten Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen war aufgeheizt. FOTO: APA/FLORIAN WIESER

400 Anzeigen, sechs Festnahmen, 12 Anzeigen nach dem NS-Verbotsgesetz, dazu mehrfache Attacken auf Journalisten und Kamerateams – das ist die traurige Bilanz der gestrigen Corona-Demonstrationen. Rund 1400 PolizistInnen waren im Einsatz, die Stimmung war aufgeheizt denn schon vorweg wurde auf Social-Media-Plattformen mobilisiert und kuriose Gerüchte gestreut.

Zwei Tag vor dem angekündigten Lockdown sind gestern rund 40.000 Menschen in mehreren Demonstrationen durch Wien gezogen um sich gegen die Corona-Maßnahmen und vor allem gegen die kürzlich verkündete Impfpflicht, welche im Februar 2022 eingeführt werden soll, auszusprechen. Große Teile der Demonstrationen verliefen friedlich, doch rechtsextreme Gruppierungen und gewaltbereite Hooligans sorgten für Probleme und Scharmützel mit der Polizei.

Auch Innenminister Karl Nehammer bestätigte, dass neben den friedlich demonstrierenden BürgerInnen auch Personen aus der rechtsextremen Szene und „altbekannte Neonazis“ vor Ort waren und sich zusammen mit gewaltbereite Hooligangruppen Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert hätten. Nehammer sieht eine „deutliche Radikalisierung“ beim harten Kern der Gegner der Corona-Maßnahmen. Bekannte Gesichter der rechtsextremen Szene wie Martin Sellner und andere Mitglieder des „Identitären“-Ablegers „Die Österreicher“ waren zu sehen und setzten sich gar an die Spitze des Protestzuges.

Transparente der Demo verkündeten „Impfungen sind Völkermord“ und „Ungeimpft = natürlich gesund“. Häufig gesehene Utensilien waren auch „Nein zum Impfzwang“-Transparente. Ein großer Teil der Teilnehmer trug Österreich-Fahnen, zu sehen waren aber auch ausländische Flaggen – vereinzelt waren auch Symbole der QAnon-Verschwörungstheoretiker und die Reichsflagge zu erkennen. Immer wieder trennten sich kleinere und größere Abordnungen vom Demozug, was die Lage unübersichtlich und die Polizeieinsätze schwieriger machte.

Rechtsextreme zündeten Pyrotechnik und setzten sich an die Spitze des Demozuges. FOTO: APA/FLORIAN WIESER

Zu der aufgeheizten Stimmung bei den Demonstrationen trugen im Vorfeld auch fragwürdige Aufrufe und absurde Verschwörungstheorien via Social-Media bei. In einschlägigen Telegram-Gruppen aber auch in „allgemeineren“ sozialen Netzwerken wie Facebook waren Aufrufe zur Bewaffnung sowie zunehmend radikalere Statements und immer wieder auch extremistische Drohungen zu lesen. Hinzu kamen einige kuriosere Theorien, so wurde teilweise davor gewarnt, dass Mitarbeiter der wiener Stadtregierung in den Kanälen säßen um in die ungeschützten Waden der Demonstranten zu impfen. Oder vor Polizeihelikoptern die Impfstoffe in Form von Gas auf die Demonstranten sprühen.

Weder die Angst vor dem Virus noch die Angst vor den angeblichen Helikoptern sorgte jedoch dafür, dass die Demo-TeilnehmerInnen es mit der Maskenpflicht besonders genau nahmen. So wurden zahlreiche Anzeigen wegen Verletzungen der FFP2-Maskenpflicht ausgesprochen. Eine der Maßnahmen gegen die sich viele Menschen sowohl im Netz aber auch auf politischer Bühne seit langer Zeit äußern. Der bekannteste politische Maßnahmen-Gegner Herbert Kickl konnte aufgrund seiner eigenen Corona-Erkrankung zwar nicht an den Demonstrationen teilnehmen, er ließ es sich dennoch nicht nehmen zu seinen Anhängern über eine Videowall auf der Demonstration zu sprechen.

FOTO: APA/FLORIAN WIESER

Kickl warnte in der knapp viertelstündigen Rede vor einer „totalitären Bedrohung“. Die Medienlandschaft sei „Handlanger der Mächtigen“, Institutionen würden systematisch scheitern, es gebe „politisches und moralisches Totalversagen“. Altbekanntes vom FPÖ-Obmann. Über die dramatische Situation auf den österreichischen Intensivstationen verlor er kein Wort.

Sowohl die Regierung als auch die Polizei hatte im Vorfeld zwar dazu aufgerufen, Großversammlungen wegen der derzeitigen Corona-Lage und Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Dennoch handelte es sich am Samstag um die größte Demonstration gegen Corona-Maßnahmen seit Beginn der Pandemie. Und auch für die kommenden Wochenenden sind weitere Demonstrationen angekündigt. Ob mit genauso vielen TeilnehmerInnen zu rechnen ist bleibt abzuwarten- da es sich dabei um Maßnahmengegner handelt werden wohl trotz, oder gerade wegen des Lockdowns, viele Menschen auf die Straßen gehen.

Datum der Veröffentlichung: 21.11.2021

„Recreation“: Jojo Gronostay in der Galerie Hubert Winter

Eigentlich sollte der Künstler Jojo Gronostay am 26. November seine erste Einzelausstellung „Recreation“ in der Galerie Hubert Winter präsentieren. Der Lockdown setzte einen Strich durch die Rechnung, die Galerien sperrten zu. Doch die Kunst bleibt. 

Nicht nur die Kulturszene ist dieses Themas schon lange überdrüssig: Kommt Corona, kommt Kunstsperre. Den in Hamburg geborenen Universalkünstler – er macht Film, Fotografie und Modedesign – Jojo Gronostay trifft das nunmehrige Zusperren besonders hart. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien war Ende November diesen Jahres die Eröffnung seiner ersten Einzelausstellung geplant. Dass diese nun bestenfalls verkürzt stattfinden kann, ist ein herber Rückschlag. Gronostays Arbeit ist vielfältig. „Recreation“– so heißt auch seiner Filme – versucht, dessen Bandbreite abzubilden.

„Alles ist politisch“

Identität, Recycling und Austausch sind nur einige der Themen, die Jojo Gronostay behandelt. In seiner Arbeit lässt er die Aspekte zusammenfließen. Wie sich das in der Ausstellung widerspiegelt? „Sichtbar wird das etwa in der Serie ,Chateau Rouge Displays’, die vollständig gezeigt wird. Dabei handelt es sich um Fotos von zerbeulten Kartons, die in Paris zu Marktständen umfunktioniert wurden, um Markenfälschungen zu verkaufen“, erzählt der Künstler.

Der weltweite illegale Handel mit Replika, der häufig von afrikanischen Einwanderern betrieben werde, interessiere ihn schon länger – nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Migrationsgeschichte: Gronostay hat ghanaische Wurzeln, ist in Deutschland aufgewachsen, hat in Paris gelebt und arbeitet nun seit einigen Jahren in Wien.

Dass seine Arbeit vor allem gesellschaftskritische Aspekte behandelt, ist eine bewusste Entscheidung: „Alles ist politisch. Ich möchte meine Bilder ästhetisch ansprechend gestalten, ja, aber ich möchte ihnen auch immer einen Sinn, eine Essenz verleihen. Als Künstler sehe ich mich dazu verpflichtet, auf die Themen aufmerksam zu machen, die im alltäglichen Leben oft untergehen.“

© Jojo Gronostay

Die Wiener Galerie Hubert Winter in der Breite Gasse ist die erste, die dem Künstler eine Einzelausstellung widmet. Die besondere Aktualität und Brisanz der Sujets, die Gronostay aufgreift, sei ein wichtiger Grund für diese Entscheidung gewesen. „Seine Arbeit hat einfach das gewisse Etwas, das es heutzutage braucht, um Aufmerksamkeit zu erregen“, sagt eine Mitarbeiterin der Galerie. „Die ungewöhnlichen Wege, die er wählt, um auf Missstände hinzuweisen, haben unser Interesse geweckt“. 

Dass sie die Tore coronabedingt erneut schließen mussten, sei äußerst belastend. „Wichtige Wochen gehen verloren. Nach dem Lockdown bleibt uns nur noch wenig Zeit – wenn wir vor Ende der Ausstellung überhaupt wieder öffnen können.“

Tote weiße Männer

Neben Film und Fotografie, auf die in der Ausstellung ein besonderes Augenmerk gelegt wird, arbeitet Gronostay an einem weiteren Projekt, das seine großen Themenblöcke vereint: 2017 gründete er das Modelabel „Dead White Men’s Clothes“, ein Label, das nach Afrika gespendete Kleidungsstücke upcycled und zu hohen Preisen weiterverkauft. 

Dass es sich hierbei eher um ein Kunstprojekt als um eine ernst gemeinte Kleidungsmarke handelt, wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Die eigentliche Intention des Projekts ist im Namen „Dead White Men’s Clothes“ enthalten: „Als in den Siebzigern die erste Altkleiderflut nach Afrika gespült wurde, konnten die Leute dort nicht glauben, dass irgendjemand gute, funktionale Kleidung weggeben würde. Sie haben angenommen, dass der Vorbesitzer verstorben sein musste“, erklärt Gronostay. 

© Lukas Gansterer 

Das Label fungiert also als eine Art Blendwerk, das es zu überwinden gilt. Darunter liegt ein künstlerischer Hinweis auf die Absurdität des westlichen Marktes, der es zulässt, dass teilweise ungetragene, jedenfalls ungewollte Kleidung in Massen nach Afrika verschifft wird. Einige Stücke wurden bereits von einem Museum reserviert, in Form von Fotografien sie auch die Galerie Hubert Winter zu sehen. 

Jojo Gronostay, „Recreation“ 
26. November 2021 – 22. Jänner 2022
Galerie Hubert Winter, Breite Gasse 17, 1070 Wien

4,99€ im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung

Die App „Too Good To Go“ sagt der Lebensmittelverschwendung den Kampf an. Kundinnen und Kunden können in der App einfach und unkompliziert Lebensmittel retten, die am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden können. Jetzt ist SPAR als erster Lebensmittelhändler österreichweit dabei.

Die dänische App „Too Good To Go“ gibt es schon seit 2019 in Österreich. Sie ist kostenlos im App Store verfügbar. Kundinnen und Kunden können in der App sogenannte „Überraschungssackerl“ reservieren und diese kurz vor Ladenschluss in den jeweiligen Betrieben um einen stark vergünstigten Preis abholen. Das Besondere daran: Man weiß nie ganz genau, was drinnen ist. Es handelt sich aber immer um Lebensmittel oder Gerichte, die noch einwandfrei genießbar, aber am nächsten Tag nicht mehr zu verkaufen sind. Der Name „Too Good To Go“ spielt darauf an, dass viele Lebensmittel noch zu gut sind, um weggeworfen zu werden. Die Bezahlung erfolgt mittels Kreditkarte oder Sofortüberweisung in der App. Neben Bäckereien, Restaurants, Pizzerias und Imbissketten können auch Lebensmittelgeschäfte mitmachen. Jetzt ist als erster Lebensmittelhändler SPAR seit 4. Oktober österreichweit in der App vertreten.

4,99€ bezahlen – Lebensmittel im Wert von 15€ bekommen

Schon 2020 hat SPAR mit dem Testbetrieb von „Too Good To Go“ in einer einzigen Filiale in Wien begonnen. Im Februar 2021 wurde dieser Testbetrieb auf insgesamt 50 SPAR-Gourmet-Filialen ausgeweitet. Während dieser Zeit habe man wichtige Erfahrungen im Zusammenstellen der Sackerl und der Abwicklung gewonnen, so SPAR-Vorstand Hans Reisch. Seit 4. Oktober ist die Kooperation mit der App auf ganz Österreich ausgeweitet worden. Die Überraschungssackerl gibt es jetzt flächendeckend in allen 700 SPAR- und EUROSPAR-Filialen in allen neun Bundesländern zu holen. Gefüllt sind sie mit Brot, Milchprodukten, Obst, Gemüse oder auch mit Fleisch und Wurst. Jedes Sackerl hat einen Wert von 15€ – kostet in der App aber nur 4,99€. Was man schlussendlich bekommt, bleibt aber auch bei SPAR eine Überraschung.

Einen Testbetrieb mit der App gibt es auch schon in einigen Märkten der REWE-Group, sagt Pressesprecher Paul Pöttschacher im Interview. So kann man bereits in ausgewählten BILLA-Filialen in Wien ein Lebensmittelpaket reservieren. Aus heutiger Sicht sei es aber noch nicht absehbar, ob und wann REWE die Kooperation mit „Too Good To Go“ auf ganz Österreich ausweitet, so Pöttschacher.

Seit Oktober gibt es die „Too Good To Go“-Sackerl österreichweit in allen SPAR-Filialen. ©SPAR/evatrifft

Beliebtes Studentenfutter

Vor allem bei Studierenden sind die günstigen Überraschungssackerl beliebt. „Als Studentin ist es praktisch, weil es so billig ist. Man bekommt um 5€ Lebensmittel im Wert von 15€. Und man verhindert auch, dass so viel weggeschmissen wird.“, erzählt die 21-jährige Agrarwissenschaftsstudentin Eva Zehrer. Sie bestellt regelmäßig „Too Good To Go“-Pakete von SPAR. In der App können Kundinnen und Kunden auswählen, bei welchem Betrieb oder Restaurant sie ein Überraschungssackerl reservieren möchten. Meistens ist nur eine bestimmte Anzahl an Paketen pro Tag verfügbar. „Nach dem Reservieren und Bezahlen bekomme ich immer eine E-Mail mit dem Rechnungsbeleg. Wenn ich dann mein Sackerl abholen gehe, muss ich nur noch die Bestellung in der App entwerten.“, so die 21-Jährige. Die Abholung der Lebensmittelpakete findet meistens in einem vorgegebenen Zeitfenster kurz vor Ladenschluss statt.

Das war dieses mal im Überraschungssackerl drin: Backwaren, Hühnerfleisch und Milchprodukte ©EvaZehrer

Doch was, wenn etwas Unerwartetes dabei ist oder die Lebensmittel nicht mehr ganz so frisch sind? „Man muss schon wissen, was man mit den Produkten anfängt!“, meint die Studentin. „Einmal war ein Kürbis dabei, der war schon sehr weich am Rand. Den habe ich halt dann gleich verkocht und Kürbissuppe gemacht. Man muss also schon kreativ sein in der Küche!“ So kann man z. B. Faschiertes einfrieren oder weiche Pflaumen gleich zu Kompott weiterverarbeiten.

Mit ein paar Euro Kleingeld und den nötigen Ideen ist so neben Kundinnen und Kunden auch den Partnerbetrieben geholfen, weil diese viel weniger Lebensmittel wegwerfen müssen. Die App „Too Good To Go“ ist im App Store für jeden kostenlos zum Download verfügbar.

Wenn Ärzt:innen nicht nur Leben retten

Das „Triagieren“ hat in der Corona Zeit eine neue Bedeutung bekommen. Prinzipiell ist es die schlichte Zuteilung welche:r Patient:in wohin überwiesen wird – ein simpler alltäglicher Prozess in der Aufnahme im Krankenhaus. Triagieren ist aber auch die Entscheidung darüber, wem ein Bett auf der Intensivstation zusteht. Im Normalfall stellt dies kein großes Problem dar. In Zeiten von Corona aber müssen Ärzt:innen bestimmen, wem sie ein Bett – und damit eine Chance zu Überleben – geben können und wem dies verwehrt bleibt.
Systemkritische Auslastung: Belagszahlen steigen weiterhin an – „Maßnahmen kommen zu spät“ Bildquelle: kurier https://kurier.at/chronik/oberoesterreich/ooe-mit-corona-infizierter-mfg-gemeinderat-auf-intensivstation-gestorben/401827768

Mit Beginn der Adventzeit sind es knapp über 600 Patient:innen, die aufgrund einer COVID Infektion ein Intensivbett benötigen. Schon Mitte November haben Ärzt:innen angekündigt, die Situation sei bald nicht mehr nur unerträglich, sondern vor allem nicht mehr tragbar. Was von vielen als PR-Gag im Zuge der Impfkampagne empfunden wurde, ist laut Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI) Dr. Walter Hasibeder tatsächlich in die Wege geleitet worden: Die Bildung von Triage Teams in vielen Krankenhäusern des Landes. Diese sollen im Notfall darüber entscheiden, wer aufgrund des Krankheitsbildes die größeren Überlebenschancen hat – „ein makabrer Wettbewerb“.

Normalbetrieb nicht mehr möglich

„So etwas wie freie Intensivbetten gibt es schon zu ‚normalen‘ Zeiten kaum und schon gar nicht während einer Pandemie“, so Habiseder. Demnach seien Intensivstationen auch ohne Zusatzbelastung zwischen 85 und 95 Prozent ausgelastet. In einer Gesundheitskrise, wie der Coronapandemie bliebe dann noch ein Puffer zwischen 10 und 15 Prozent für COVID-Patient:innen.

Nicht nur die Bettenanzahl ist es aber, die Sorge bereitet. Vor allem ist es das fehlende Personal auf Intensivstationen, wodurch keine volle Versorgungsgarantie mehr geleistet werden kann. Im Durchschnitt benötigt ein Coronapatient nämlich ein Drittel mehr Personal als ein anderer Patient auf der Intensivstation, da die Betreuung weit intensiver und aufwendiger ist. Aus Kärnten ist bekannt, dass Ärzt:innen teilweise trotz K1 Status, oder mit positivem Coronabescheid, aber einem CT-Wert über 30 – und damit weniger ansteckend – arbeiten müssen. Anders sei die derzeitige Situation nicht zu bewältigen. Zudem sind es laut Habiseder immer mehr unter 50-Jährige, die auf der Intensivstation landen – „ungeimpft natürlich“.

Besonders kritisch: Herzoperationen müssen verschoben werden – nach OP brauchen Patient:innen immer Intensivbetreuung; Quelle: https://www.paradisi.de/behandlung/herzoperation/

„Für mich ist das eine interdisziplinäre Entscheidung“

Für Ärzt:innen gehört diese Art des Triagieren nicht zum Berufsalltag und geht mit psychischen Belastungen einher. Das Leben von Patient:innen ist nicht mehr dem Schicksal oder der Krankheit überlassen, sondern einzig der fachkundigen Bewertung der Mediziner:innen. Es handelt sich um Menschen, die noch inmitten ihres Kampfes ums Überleben stecken.

Wie viele Krankenhäuser in Österreich hat auch das  Hanusch-Krankenhaus in Wien ein Triage Team gebildet. Mehrere Oberärzt:innen von unterschiedlichen Fachdisziplinen entscheiden im Fall der Fälle gemeinsam über das Leben eines Patienten. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass der psychische, aber insbesondere der rechtliche Druck auf dem Individuum liegt. Dr. Clemens Marczell war einer der Ärzte, die diesem Verfahren grünes Licht gegeben hat. „Es gibt Sachen, die kann ein Internist besser einschätzen und es gibt Sachen die kann ich – als Unfallchirurg – besser einschätzen. Wenn mehrere Disziplinen zusammengenommen werden, kann mit relativ hohem Prozentsatz der Ausgang einer Krankheit oder eines Unfalls prognostiziert und somit entschieden werden, wer mehr Überlebenschancen hat. Für mich ist das also eindeutig eine interdisziplinäre Entscheidung.“

Jede Fachrichtung besitzt eigene Scores, nach denen der Ausgang mit einer bis zu 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden kann. So gibt es beispielsweise je nach Unfall einen eigenen Unfallscore, und hier zum Beispiel einen Score für das Schädelhirntrauma. Alter ist, laut Marczell, beim Triagieren, darüber hinaus nicht Kriterium Nummer eins. Auch Verletzungen, Indikationsstellung, sowie Überlebenswahrscheinlichkeit und Co-Morbidität spielen bei der Beurteilung, wer auf der Intensivstation bleiben darf und wer „sich selbst überlassen wird“, eine wichtige Rolle.

„Wenn sie schon mal beatmungspflichtig sind – dann sterben 50% davon“

Prognostiziert kann auch nach zwei Jahren Pandemie immer noch nicht werden, wer im Verlauf der Krankheit ein Intensivbett benötigen wird und wer nicht. Milde Symptome am Beginn sind nicht ausschlaggebend dafür, ob im späteren Verlauf der Coviderkrankung der Weg nicht auf der Intensivstation endet.  Von Patient:innen, deren Infektion schon vor drei Wochen – und das milde – begonnen hat, bis hin zu Menschen, die sich drei Tage zuvor infiziert haben – alles hat man hier im Intensivsektor des Hanusch-Krankenhaus schon gesehen. Die Viruslast ist dabei nicht aussagekräftig genug, um zu prognostizieren, ob der Krankheitsverlauf schwer oder mild wird.

Die Intensivbetten sind ein essentielles Gut, da der Körper in der Zeit einer Coronainfektion heftige Reaktionen bilden kann. Die Ausrüstung auf der Intensivstation sorgt dafür, dass die Reaktionen des Körpers unterstützt werden – reagiert dieser zu heftig, so hilft das Gerät den Körper zu stabilisieren. Benötigt er mehr Kraft im Kampf gegen das Virus, wird dies vom Gerät ebenso gewährleistet. Fakt ist aber – wird man erst einmal beatmungspflichtig, so sind es laut Dr. Marczell nur die Hälfte der Patient:innen, die die Erkrankung dann noch überleben.

Hochspezialisierte Beatmungsgeräte gibt es in Wien allerdings nur dreißig. Und das ist der „fancy stuff“, bei dem die Regierung laut dem jungen Arzt enorm einspart.

Drohende Versorgungsengpässe auch im Hanusch-Krankenhaus in Wien; Quelle: Arbeit & Wirtschaft
https://www.arbeit-wirtschaft.at/die-ausgabenbremse-und-wieso-sie-vor-den-vfgh-kommt/

„Personal brauchen wir seit 40 Jahren“

„Intensivstation – das bedeutet vor allem sehr spezialisierte Fachkräfte; und wenn die ausfallen dann können die Intensivschwestern nur sehr schwer ersetzt werden – wenn du mich dort hin setzt – weiß ich nicht was ich tun soll“, bestätigt Marczell. Man benötige nicht nur Wissen über die richtige Pflege von Intensivpatient:innen, sondern vor allem hoch spezifische Kenntnisse wie das Wissen um die korrekte Bettenlagerung, physikalisches Grundwissen, künstliche Ernährung und Sonderbeatmung.

Auch die Ärzt:innen sind, neben dem Pflegepersonal, nicht leicht zu ersetzen. Intensivmediziner:innen haben ganz andere Kenntnisse, die jemand wie Dr. Marczell als Unfallchirurg nicht gelernt hat. So ist es die Medikamentenlehre, die viel genauer beherrscht wird oder physiologische Zusammenhänge im Körper, die in der Intensivmedizin genauer und ausführlicher betrachtet werden.

Sorge bereitet auch die Skisaison, die mittlerweile voll im Gange ist. Skiunfälle sind Grund Nummer Eins im Winter ein Intensivbett zu benötigen. Man hofft nun auf einen milden Winter und wenige Unfälle.

Videospiel(entwicklungs-)land Österreich: Die Alpenrepublik holt auf!

Während mehr als 5,3 Millionen Österreicher bereits Videospiele spielen, fristen heimische Spieleentwickler immer noch ein Nischendasein. In den vergangenen Jahren hat sich hierzulande dennoch eine aufstrebende Spieleentwicklerszene entwickelt. Mitverantwortlich dafür ist die gestiegene Anzahl gamespezifischer Ausbildungsmöglichkeiten, die in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind. Anlässlich dieses Jubiläums stellten elf Bildungseinrichtungen ihre aktuellen Ausbildungsangebote vor.

Im Zuge der Veranstaltung „Future and Reality of Gaming 2021“ (FROG) konnten Interessierte am 23.11.2021 einen Einblick erhalten, welche aktuellen Ausbildungsmöglichkeiten es in Österreich im Bereich der Videospielentwicklung gibt. Das videospielspezifische Bildungsangebot umfasst derzeit zehn Studiengänge und die österreichweit einzige schulische „Game Design“-Ausbildung an der HTL Spengergasse in Wien.

Zur Entwicklung der Ausbildungsmöglichkeiten sagt Jogi Neufeld, Gründer der Games-Kultur-Plattform „SUBOTRON“ und Moderator der FROG-Veranstaltung: „Erst ab 2011 kann man wirklich von einem Start der ersten gamespezifischen Ausbildungen sprechen. Davor waren Ausbildungsmöglichkeiten nur peripher vorhanden.“ Aber auch bei den elf heute vorhandenen Angeboten liegt der Fokus nicht überall nur auf Games.

Videospiele als Unterrichtsfach

Die Fachhochschulstudiengänge in Salzburg, Hagenberg und St. Pölten bieten generelle Multimedia-Technology-Ausbildungen an, bei denen die Videospielentwicklung nur einen Teil des Studiums umfasst. An den Technischen Universitäten Graz und Wien kann man dagegen Studiengänge wählen, deren Kernaufgabe die Spieleprogrammierung ist. Seit einem Jahr gibt es an der FH BFI Vienna mit „Interactive Media & Games Business“ ein weiteres Angebot, das neben dem technischen auch das wirtschaftliche Know-how für eine Karriere in der Games-Branche vermitteln will. Einen etwas anderen Weg kann man an den Universitäten Krems und Klagenfurt einschlagen. Die dortigen „Game Studies“-Studiengänge bereiten nicht auf eine Laufbahn als Spieleentwickler vor, sondern lehren, wie man Videospiele wissenschaftlich untersuchen kann.

Straßenansicht des Gebäudes der TU Graz
Die TU Graz bietet einen von zwei Studiengängen zur Spieleprogrammierung in Österreich. ©[Marion Schneider & Christoph Aistleitner_TU Graz] via wikimedia.org https://commons.wikimedia.org/wiki/File:TU_Graz_2.jpg

Anforderungen an Spieleentwickler

Das vielfältige und interdisziplinäre Ausbildungsangebot wird von der Branche geschätzt und auch verlangt. Denn einer Studie der Wirtschaftskammer unter den 87 heimischen Spieleherstellern zufolge, wird von den künftigen Spieleentwicklern eine fachliche Qualifikation erwartet, die man am besten durch ein Studium erreichen könne. Derzeit arbeiten zwar noch viele Autodidakten in der Spieleentwicklung, die Branche ist aber im Umbruch.

„Nachdem „Rockstar Vienna“, der größte österreichische Hersteller, seine Pforten geschlossen hatte, gründeten ehemalige Mitarbeiter in den Folgejahren eine Vielzahl kleiner Entwicklerstudios. Diese Indie-Szene ist, auch dank der neuen Ausbildungsmöglichkeiten, bis heute wesentlich professioneller geworden.“

Jogi Neufeld, Gründer der Games-Kultur-Plattform „SUBOTRON

Fachliche Ausbildung allein reicht aber nicht. Wie aus der WKO-Studie hervorgeht, sollen die angehenden Spieleentwickler auch einen hohen IQ besitzen. Dieser sei für „Game Design“ unerlässlich, da man technisch komplexe Abläufe in Gedanken durchgehen und auf hohem Niveau programmieren können muss. Zusätzlich sollte man auch Verständnis für die wirtschaftlichen und kreativen Belange wie Grafik- und Sounddesign mitbringen, heißt es seitens der befragten Branchenvertreter.

„Spielebranche wächst schnell“

Der Bedarf an gut ausgebildeten Spieleentwicklern wird zukünftig weiter steigen. Denn Videospiele dienen längst nicht mehr nur der Unterhaltung, sondern werden bereits als Therapieform, etwa gegen ADHS oder zur Gesundheitsförderung bei älteren Leuten eingesetzt. Trotz bestehender Defizite bescheinigt Johanna Pirker von der TU Graz der österreichischen Spieleentwicklungsbranche ein schnelles und gutes Wachstum. Dennoch hinke sie aber noch etwas hinterher, sagt die Informatikerin.

Eine Seniorin auf einem Stuhl steuert ein Videospiel auf einem Fernseher mittels Bewegungsgesten.
Während es in Deutschland eigens für Senioren entwickelte Spielekonsolen gibt, gibt es in Österreich kein Produkt in dieser Richtung. ©[David Boettcher_ RetroBrain R&D GmbH] via retrobrain.de/presse/

Auf international erfolgreiche Produktionen „made in Austria“ wird man daher vermutlich noch einige Jahre warten müssen. Der erste und bisher einzige rot-weiß-rote Videospiel-Exportschlager war „Anno 1602“. Das Aufbauspiel wurde vom Schladminger Unternehmen „Max Design“ gemeinsam mit dem deutschen Studio „Sunflowers“ entwickelt. Mit rund zwei Millionen abgesetzten Einheiten ist es das bisher meistverkaufte Videospiel, das im deutschsprachigen Raum entwickelt wurde.

Das wachsende Angebot videospielspezifischer Ausbildungsmöglichkeiten ist zumindest ein wichtiger erster Schritt, um Österreich in der Boom-Branche Games fit für die Zukunft zu machen. Mögliche Betätigungsfelder gibt es genug. Sie reichen von einem neuen kommerziellen Hit, wie es „Anno 1602 “ war, bis hin zu Anwendungen, die zur Steigerung der Gesundheit dienen.

Michael Marsoner

schnapp sie dir alle: pokemon ist zurück

Fiktives Erscheinungsdatum: 22.11.2021

Rechtzeitig zum Lockdownbeginn in Österreich gibt es zwei neue Pokemon-Spiele für die Nintendo Switch. Dabei handelt es sich um Neuauflagen von den 2007 erschienen Spielen „Diamant“ und „Perl“ mit den Namen „Strahlender Diamant“ und „Leuchtende Perle“. Nostalgiker:innen sowie Neubeginner:innen werden auf eine Reise durch die aufpolierte 4. Generation der Pokemonwelt mitgenommen und kommen dabei voll auf ihre Kosten.

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Das Stadtmagazin der Studentinnen und Studenten der FH Wien der WKW