Gespensterführung statt Geisterparty

Halloween steht vor der Tür, doch alle Parties sind abgesagt. Ein coronataugliches Ersatzprogramm bietet die Stadtführung „Geister, Gespenster und Vampire – gruseliges Wien“ am kommenden Samstag.

fiktives Veröffentlichungsdatum: 27.10.2020

Über 600 Mädchen folterte die berüchtigte Blutgräfin im barocken Wien zu Tode. Dieser und weitere Gruselgeschichten bietet die Stadtführung „Geister, Gespenster und Vampire – gruseliges Wien“. Eine ideale Gelegenheit, sich trotz der coronabedingten Party-Absagen auf Halloween einzustimmen. Die Führung findet bereits seit über 15 Jahren ganzjährig jedes Wochenende statt. Extra zu Halloween werden zwei Termine um 16:30 Uhr und 18:30 Uhr angeboten. Wir waren für euch bei einer Führung dabei.

Geisterstimmung im Kreuzgang der Minoritenkirche. Copyright: Daniela Schmidt.

Spukgeschichten und wo sie zu finden sind

Die liebevoll durchdachte Führung startet auf einem der berühmtesten Spukplätze Wiens – mitten am Michaelerplatz. Angeblich hört man heute noch das ein oder andere Gespenst schreien, dessen Gebeine hier vor Jahrhunderten vergraben wurden. Der heutige Führer ist Sprachwissenschaftler Thomas Köberle.

Thomas Köberle kennt den Weg im Schlaf. Copyright: Daniela Schmidt.

„Mir fehlen die Touristen schon sehr, muss ich sagen.“

Thomas Köberle, Fremdenführer

Seine Geschichten beginnt er mit aufgerissenen Augen, hochgezogenen Augenbrauen und ist scheinbar selbst immer wieder etwas erschrocken. Die Führung lebt von seinem Erzählstil. An unterschiedlichen Originalschauplätzen mysteriöser Vorfälle zeigt er auf bestimmte Fenster, in denen angeblich die Geister von Verstorbenen gesichtet wurden. Er erzählt über das Pfählen von Vampiren und wie dieser Brauch mit der damaligen Cholerapandemie im Zusammenhang steht. Darüber wie die Wiener es mit Leben nach dem Tod grundsätzlich hielten und er macht den ein oder blickt auf Bestattungsarten anderer Kulturen.

Vom Michaelerplatz geht es zur Hofburg, über das Ministeriumsviertel in den Kreuzgang der Minoritenkirche bis hin zur Auguststraße 12. Zum Ausklang führt Köberle die Gruppe in die Kapuzinerkirche. Im geschützten Raum erzählt er seine letzten Anekdoten zu Ende und nimmt sich nochmal Zeit für alle Fragen. Dieser Dialog ist im das Wichtigste, vor allem im Digitalen Zeitalter. „Natürlich kann man über das Handy alle Informationen auch ergooglen.“, allerdings, sagt Köberle, sei es schwer unter all den Informationen zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Er habe sich für seine Geschichten extra bei Historikern erkundigt, was er im Anschluss auch nochmal hervor streicht. 

Wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht, führt er bis zu 25 Wissbegierige durch Wien. „Mir fehlen die Touristen schon sehr, muss ich sagen“, seufzt Köberle. Auf die Frage hin, wie er zu den Corona-Maßnahmen steht, antwortet er nachdenklich: „Lustig is ned, wenn so ein Berufsverbot kommt. Aber das vergeht ja wieder. Der Staat stützt uns ja auch.“ Ob er sich überhaupt noch gruseln kann?

Auguststr. 12, hier fließt Blut aus dem Jungbrunnen. Copyright: Daniela Schmidt.

Die Blutgräfin

Köberles Lieblingsstation und die der meisten Besucher ist die Auguststraße 12. Dort wohnte im 16. Jahrhundert die Blutgräfin. Sie gilt als eine der grauenvollsten Mörderinnen in der Kriminalgeschichte Wiens. Die Blutgräfin namens Elisabeth Báthory-Nádasdy soll im 16. Jahrhundert rund 650 Mädchen grausam zu Tode gefoltert haben, um an ihr Blut zu gelangen. Der Legende nach hat sich die sehr reiche Adlige junge Mägde vom Land in ihr Wiener Haus holen lassen, nur um sie kurze Zeit später kaltblütig zu ermorden. In der Hoffnung auf reine und jugendliche Haut habe sie in dem Blut dann gebadet und sich damit eingecremt. Zu der Zeit berichteten Nachbarn von den lauten Schreien der gefolterten Mädchen. Dieses Verbrechen ist tatsächlich in den Wiener Strafakten verzeichnet. 1611 wurde die Blutgräfin letztendlich als Serienmörderin verurteilt und bis zu ihrem Tod in ihrer Burg in der Slowakei gefangen gehalten. Ihr Geist spukt angeblich heute noch umher. Vor dem Haus in der Auguststraße 12 verfeinert Köberle den Mythos mit interessanten Fakten und Hintergrundinformationen. Experten vermuten, dass die Gräfin einer politischen Intrige zum Opfer gefallen ist. Köberle weist zusätzlich noch auf eine amüsante Nebeninformation hin. Wo früher die Blutgräfin mörderisch versucht hat, ihr jugendliches Aussehen zu erhalten, hatte bis vor kurzem der bekannte Wiener Schönheitschirurg Dr. Worseg seine Praxis. Die Gruppe muss schmunzeln. 

Die Führung Geister, Gespenster und Vampire – gruseliges Wien“ als Tipp für ein informatives Kulturprogramm zu Halloween.

Die Führung "Geister, Gespenster und Vampire - gruseliges Wien“ findet ganzjährig an jedem Samstag und an Feiertagen statt. Karten kosten für Erwachsene 15€ und für Kinder 8€. Link zur Anmeldung für weitere Informationen: www.gespenster.at