Wos wü Wien an Halloween?

Halloween steht vor der Tür, doch alle Parties sind abgesagt. Die einschneidenden Corona-Maßnahmen lassen maximal Geister näher als einen Meter zusammen tanzen. Warum also nicht mit Abstand und in Kleingruppen eines der größten Events des Jahres mit einer Gespensterführung durch das Wien der Toten zelebrieren? Die Führung „Geister, Gespenster und Vampire – gruseliges Wien“ als Ersatzprogramm für kommenden Samstag. 

Bereits seit einigen Tagen wird coronabedingt eine geplante Feier nach der anderen abgesagt. Viele Partylustige bleiben verantwortungsbewusst zuhause und stanzen das diesjährige Gruselevent. Eine Möglichkeit sich dennoch auf Halloween einzustimmen und ganz nebenbei Wien aus dem Reich der Toten kennenzulernen, bietet die Führung „Geister, Gespenster und Vampire – gruseliges Wien“. Die Führung findet seit über 15 Jahren ganzjährig jedes Wochenende statt. Extra zu Halloween werden mehrere Termine angeboten. Wir waren für euch bei einer Führung dabei.

Geisterstimmung im Kreuzgang der Minoritenkirche. Copyright: Daniela Schmidt.

Spukgeschichten und wo sie zu finden sind

Die liebevoll durchdachte Führung startet auf einem der berühmtesten Spukplätze Wiens – mitten am Michaelerplatz. Angeblich hört man heute noch das ein oder andere Gespenst schreien, dessen Gebeine hier vor Jahrhunderten vergraben wurden. Der heutige Führer ist Thomas Köberle. Sympathisch lächelnd begrüßt er die kleine Gruppe. 

Thomas Köberle kennt den Weg im Schlaf. Copyright: Daniela Schmidt.

„Mir fehlen die Touristen schon sehr, muss ich sagen.“

Thomas Köberle, Fremdenführer

Wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht, führt er bis zu 25 Wissbegierige durch Wien. „Mir fehlen die Touristen schon sehr, muss ich sagen“, seufzt Köberle. Auf die Frage hin, wie er zu den Corona-Maßnahmen steht, antwortet er nachdenklich: „Lustig is ned, wenn das Berufsverbot kommt. Aber das vergeht ja wieder. Der Staat stützt uns ja auch.“ Ob er sich überhaupt noch gruseln kann?

Er beginnt mit aufgerissenen Augen, hochgezogenen Augenbrauen und scheinbar selbst schon etwas erschrocken mit der ersten Gespenstergeschichte. Die Führung lebt von seinem Erzählstil. An unterschiedlichen Originalschauplätzen mysteriöser Vorfälle zeigt er auf bestimmte Fenster, in denen angeblich die Geister von Verstorbenen gesichtet wurden. Er erzählt über das Pfählen von Vampiren und wie dieser Brauch mit der damaligen Cholerapandemie im Zusammenhang steht. Darüber wie die Wiener*innen es mit Leben nach dem Tod grundsätzlich hielten und er macht den ein oder anderen gedanklichen Ausflug in Bestattungsarten anderer Kulturen. Vom Michaelerplatz geht es weiter zur Hofburg, über das Ministeriumsviertel in den Kreuzgang der Minoritenkirche bis hin zur Auguststraße 12. Dort wohnte im 16. Jahrhundert die Blutgräfin. Sie gilt als eine der grauenvollsten Mörderinnen in der Kriminalgeschichte Wiens.

Auguststr. 12, hier fließt Blut aus dem Jungbrunnen. Copyright: Daniela Schmidt.

Die Blutgräfin

Die Blutgräfin namens Elisabeth Báthory-Nádasdy soll im 16. Jahrhundert rund 650 Mädchen grausam zu Tode gefoltert haben, um an ihr Blut zu gelangen. Der Legende nach hat sich die sehr reiche Adlige junge Mägde vom Land in ihr Wiener Haus holen lassen, nur um sie kurze Zeit später kaltblütig zu ermorden. In der Hoffnung auf reine und jugendliche Haut habe sie in dem Blut dann gebadet und sich damit eingecremt. Zu der Zeit berichteten Nachbarn von den lauten Schreien der gefolterten Mädchen. Dieses Verbrechen ist tatsächlich in den Wiener Strafakten verzeichnet. 1611 wurde die Blutgräfin letztendlich zur Serienmörderin verurteilt und bis zu ihrem Tod in ihrer Burg in der Slowakei gefangen gehalten. Ihr Geist spukt angeblich heute noch umher. Vor dem Haus in der Auguststraße 12 verfeinert Köberle den Mythos mit interessanten Fakten und Hintergrundinformationen. Experten vermuten, dass die Gräfin einer politischen Intrige zum Opfer gefallen ist. Köberle weist zusätzlich noch auf eine amüsante Nebeninformation hin. Wo früher die Blutgräfin mörderisch versucht hat, ihr jugendliches Aussehen zu erhalten, hatte bis vor kurzem der bekannte Wiener Schönheitschirurg Dr. Worseg seine Praxis. Die Gruppe muss schmunzeln. 

Abschluss in der Kapuzinerkirche

Zum Ausklang führt Köberle die Gruppe in die Kapuzinerkirche. Im geschützten Raum erzählt er seine letzten Anekdoten zu Ende und nimmt sich nochmal Zeit für alle Fragen. Dieser Dialog ist im das Wichtigste, vor allem im Digitalen Zeitalter. „Natürlich kann man über das Handy alle Informationen auch ergooglen.“, allerdings, sagt Köberle, sei es schwer unter all den Informationen zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Er habe sich für seine Geschichten extra bei Historikern erkundigt, was er im Anschluss auch nochmal hervor streicht. Die Führung Geister, Gespenster und Vampire – gruseliges Wien“ als Tipp für ein informatives Kulturprogramm zu Halloween.

Die Führung "Geister, Gespenster und Vampire - gruseliges Wien“ findet ganzjährig an jedem Samstag und an Feiertagen statt. Karten kosten für Erwachsene 15€ und für Kinder 8€. Link zur Anmeldung für weitere Informationen: www.gespenster.at 

Veröffentlichungsdatum: 27.10.2020