Junge Frau beim Training zu Hause

How-to: Nicht blad werden im Lockdown

Habt ihr im ersten Lockdown auch eure Sportroutine vernachlässigt? Jetzt hat wieder alles geschlossen, was mit Sport zu tun hat. Wir haben uns drei Indoor-Möglichkeiten angeschaut, wie ihr den zweiten Lockdown sportlich besser überstehen könnt.

Endlich mal gute Nachrichten: Nicht nur kostenpflichtige Fitness-Apps sind eine Alternative zu momentan nicht möglichen Sportaktivitäten, auch Fitnessstudios und Sportvereine haben dazugelernt und bieten jetzt kostenlose Lösungen an. Wer sich bewegen möchte, hat also Grund zur Freude. Denn im zweiten Lockdown bleibt eigentlich sonst nur mehr Outdoor-Sport, und der ist gerade in der nasskalten Jahreszeit nicht so prickelnd. Natürlich gibt es noch die unzähligen YouTube-Videos, aber wer weiß schon, welche sinnvoll sind. Darum haben wir uns für euch drei Alternativen für zu Hause ein bisschen genauer angeschaut.

Sportunion ist für alle da

Sportunion ist ein parteiunabhängiger Sportdachverband, der bereits seit 1889 existiert und über 920.000 Mitglieder verteilt auf alle Bundesländer vorweisen kann. Der Dachverband und die neun Landesverbände unterstützen die 4.600 Sportunion-Vereine dabei, Breiten- und Leistungssport zu fördern und Begeisterung für Bewegung zu schaffen. Sportunion ist also einer der Big Player in der österreichischen Vereinslandschaft, weshalb wir euch das Online-Angebot genauer vorstellen.

Keine Mitgliedschaft nötig

Wer jetzt denkt, dass er nicht ausgerechnet im Lockdown einem Sportunion-Verein beitreten will, wird sich freuen: Überraschenderweise sind die On-Demand-Videos für jede*n frei zugänglich, eine Registrierung ist nicht erforderlich. Neben jederzeit abrufbaren Videos findet man auf der Website auch abwechslungsreiche Live-Einheiten von Kraftsport bis Yoga. Auf der DIGITALSPORTS-Plattform werden dabei verschiedene Angebote von Sportvereinen vernetzt. Speziell für das Homeoffice findet außerdem drei Mal pro Woche eine sogenannte „Bewegungspause“ im Livestream statt. All diese Angebote sind kostenlos. Die Sportvereine stellen auch eigene Kurse zur Verfügung, diese sind allerdings teilweise kostenpflichtig.

Gute Resonanz bei den Studierenden

„Wir haben bereits Zahlen aus dem ersten Lockdown. Rund 300 interaktive Kurse wurden von rund 30 Vereinen wöchentlich auf der DIGITALSPORTS-Plattform angeboten. Interaktiv waren monatlich regelmäßig über 150.000 Teilnehmende bei den Einheiten dabei“, sagt Sascha Krikler, der bei Sportunion für PR zuständig ist. Das kostenlose Sportangebot kommt bei den Studierenden also gut an.

Das USI – die Mutter aller Sportkurse

Das Universitätssportinstitut (USI) ist wahrscheinlich den meisten Studierenden ein Begriff und wurde deswegen von uns genauer unter die Lupe genommen. Gegründet 1848, bietet es unter professioneller Anleitung ein breit gefächertes Sportangebot. Das USI Wien bietet Studierenden, Absolvent*innen und universitären Mitarbeiter*innen unter normalen Umständen ganze 1.200 Kurse. Das Beste daran: Die USI-Kurse sind besonders günstig (ab € 13,- pro Semester) und eignen sich daher optimal dafür, neue (auch ungewöhnliche) Sportarten einfach mal auszuprobieren.

USI-Kurse im Live-Stream

Wie Sportunion hat auch das USI hat seit dem letzten Lockdown aufgerüstet: Waren damals – zum Leidwesen der Studierenden, die sich für einen Kurs angemeldet hatten – nur Kurzvideos online, kann man als zahlende*r Kursteilnehmer*in nun auf der Website an Live-Streams teilnehmen. Fast alle Kurse sind vertreten, ausgenommen sind aus nachvollziehbaren Gründen nur Mannschaftssportarten, Schwimm- und Kampfsportkurse. Circa 370 Kurse werden momentan als Live-Stream zu den jeweiligen Kurszeiten angeboten, neun Kurse wurden extra als Online-Special hinzugefügt. Ein On-Demand-Angebot ist nicht vorhanden, zu allen Kursen kann man sich jederzeit online anmelden. Die Trainer*innen filmen sich direkt in den Übungsstätten bei ihren Trainings via MS Teams, die Teilnehmenden bekommen vorab einen Link zugeschickt. Beim USI heißt es also: Online ja, aber nur für zahlende Teilnehmer*innen und nur live.

Die Studierenden freut’s

Wie geht es den Studierenden damit? „Sie sind größtenteils sehr zufrieden, auch die Trainer*innen sind happy. Und es wird auch gut angenommen, in einem meiner Kurse sind zum Beispiel von 30 angemeldeten Personen immer 20 bis 22 Personen bei den Live-Streams dabei“, sagt Mag. Dr. Maria Rienößl, zuständig für Ausbildungen, Lehrerfortbildung, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit am Universitätssportinstitut Wien.

Fitnessstudios im Trend

Bundesweit gibt es laut der Wirtschaftskammer Österreich ca. 1.239 Fitness-Studios, rund zwei Drittel davon allein in Wien. Die Nachfrage ist groß, allein zwischen 2018 und 2017 stieg die Zahl der Standorte um 5,3 Prozent. Rund 1.073.000 Menschen sind derzeit Mitglied in einem Fitnessstudio. Ob Flatrate-, Mittelpreis- oder Luxus-Studio, ob Kette oder Indepent-Anbieter: Für kleine wie große Geldbörserl ist etwas dabei. Da wir bei diesem umfassenden Angebot nicht alle Möglichkeiten für euch testen konnten, steht ein Anbieter exemplarisch für alle anderen. Wir entschieden uns für ein Studio der Kette Technogym, bei dem unsere Redakteurin bereits vor dem Lockdown Mitglied war. Dort wird von den Mitgliedern ein monatlicher Beitrag bezahlt, für den sie alle Angebote des Studios (Gerätetraining, Gruppenkurse und Wellnessbereich) unbegrenzt häufig nutzen können.

Technogym startet mit neuer App

Auch für Technogym-Mitglieder gibt es im zweiten Lockdown Neuigkeiten. Gab es im März keine Möglichkeit, Online-Angebote zu nutzen, findet man jetzt ein tolles Kursangebot in der kostenlosen MyWellness-App der Technogym-Gruppe. Hier kann man, ähnlich wie auf der Sportunion-Seite, zwischen On-Demand-Videos oder Live-Stream wählen. Außerdem wird zwischen studioeigenen und externen „Les Mills“-Gruppenkursen unterschieden. Letztere werden weltweit nach demselben Schema angeboten und eignen sich daher optimal, um auch online ausgespielt zu werden.

Selbstversuch: HIIT zu Hause

Für unsere Leserschaft ist uns natürlich nichts zu aufwändig, darum hat unsere Redakteurin ein Training für euch absolviert. Sie hat sich für einen On-Demand-Kurs namens „Bodyattack“ entschieden, den sie sonst wöchentlich im Fitnessstudio besucht. Trainerin Jasmin, die sonst vor bis zu 50 Personen im Einsatz ist, ist nun ganz allein in der großen Halle zu sehen. Etwas komisch fühlt es sich schon an, daheim wie ein Gummiball auf und ab zu springen – was wohl die Nachbar*innen davon halten… Wider Erwarten kommt unsere Redakteurin jedoch recht schnell in den Trainings-Flow. Jasmin führt gut gelaunt und dominant wie immer durch 50 Minuten HIIT-Workout. Statt den Teilnehmer*innen ruft sie nun der Kamera „Durchbeißen, komm, nicht aufgeben!“ zu . Am Ende sagt sie „Danke fürs Mitmachen, war nicht so lustig wie mit euch zusammen, aber besser als nix“, und da hat sie recht. Mission accomplished, unsere Redakteurin ist genau so nassgeschwitzt wie im Studio.

Screenshot aus der MyWellness-App
Screenshot aus der MyWellness-App © MyWellness

Mit Sport kein Lagerkoller in Sicht

Wem im Lockdown schon die Decke auf den Kopf fällt, der könnte es zu Hause mal mit ein wenig Sport versuchen. Denn natürlich steht nicht das „nicht blad werden“ im Mittelpunkt, sondern die Gesundheit. Gerade, wer im Homeoffice den ganzen Tag sitzt, sollte seinem Körper eine Auszeit gönnen – als Ausgleich, zur Ablenkung, weils (vor allem zu zweit) Spaß macht und weil sich auch die Psyche über Bewegung freut.
Wir hoffen, wir konnten euch einen kleinen Überblick über das vielfältige Online-Fitnessangebot geben. An kostenlosen Angeboten mangelt es nicht – ob man nun eine Mitgliedschaft hat oder nicht. Dann muss man sich nur mehr aufraffen. Ja eh.

Beitragsbild: © Shutterstock

Linkliste
Sportunion:
- On-Demand-Videos: https://sportunion.at/trainingsvideos/
- Live-Videos: https://sportunion.at/digitalsports/
- „Bewegungspause“ im Livestream: https://sportunion.at/bewegungspause/
- Autonome Kurse der Vereine: https://sportunion.at/sport-angebote/ (teilweise kostenpflichtig)
USI:
- Live-Videos: https://www.usi.at/de/angebot/#!/kurs/4321 (nur für Studierende, die zu einem USI-Kurs angemeldet sind)
Technogym-Fitnessstudios:
- MyWellness-App: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.technogym.mywellness&hl=de_AT (nur bei bestehender Technogym-Studio-Mitgliedschaft)