Der Reiz am Haustier

Die freie Zeit im Lockdown verführt zur Aufnahme von einem Haustier. Tiervermittlungsstellen verzeichnen erhöhte Anfrage für Adoption und Pflege von Tieren. Vergabezahlen bleiben jedoch unter dem Jahreswert von 2019.

Mit dem Lockdown kam es zu einer Erhöhung von Anfragen für Haustiere. Laut Pressesprecher Mag. Oliver Bayer vom Tierschutz Austria hat sich die Nachfrage nach einem Haustier während dieser Zeit bei ihnen verdreifacht, wenn sie nicht sogar noch stärker zugenommen hat.

Auch im zweiten Lockdown lässt sich dieselbe Tendenz feststellen „Jetzt im zweiten Lockdown sehen wir auch, dass das Interesse stark zugenommen hat“, berichtet Mag. Bayer

Laut Tierschutz Austria wurden dieses Jahr bisher 341 Hunde (2019: 432) und 273 Katzen (2019: 412) adoptiert. Im Vergleich zum Vorjahr, kann man hier einen deutlichen Rückgang feststellen. Was zuletzt nicht nur an COVID-19 und der resultierenden zweimonatigen Schließung liegt, sondern auch am Bestand von vergabefähigen Tieren.

Mag. Bayer selbst sagt zu den Zahlen „wenn bedenkt, dass es zwei Monate keine Tiervermittlung gab, sind die Zahlen wahrlich nicht schlecht.“ Auch, wenn die Anfragen hoch waren, kann erst nach einem Gespräch und einem ersten Treffen zwischen zukünftigem Haustier und Besitzer entschieden werden, ob die Chemie beidseitig stimmt.

Langzeitbewohner des Tierschutz Austria finden Besitzer

Für Tiere, die sich schon länger als ein Jahr im Tierschutzhaus befinden war es eine Adoptionschance. Durch das Betreuungspatenprogramm des Tierschutz Austria fanden 33 von 44 Hunden ein Zuhause. Betreuungspaten, die schon länger mit einem gewissen Hund arbeiten, hatte die Möglichkeit diesen während der Dauer des Lockdowns mit nach Hause zu nehmen.

Die Arbeiter des Tierschutz Austria konnten sich dabei einen gewissen Hintergedanken nicht verkneifen. Es bestand die Hoffnung, dass die Hunde so womöglich ein endgültiges Heim finden. „Also, wenn man dem ganzen Corona-Schmarrn was abgewinnen will, dann ist es bei uns, dass es für viele Patinnen und Paten the last step war, um zu sehen: es funktioniert im Alltag mit dem Hund“, sagt Bayer.

Termine innerhalb kürzester Zeit vergeben

„Es ist extrem gewesen beim ersten Lockdown. Nach ein paar Tagen haben die Telefone schon heiß geläutet.“ Wie so vieles haben auch Tiervermittlungsstellen und Tierheime ihre Türen für Besucher während der Lockdowns geschlossen gehalten. Mit der Lockerung der Corona-Maßnahmen, konnten sich Personen, die einen Vierbeinerwunsch verspüren, einen Gesprächstermin ausmachen. Mag. Bayer hat die Anrufflut noch gut in Erinnerung: „Innerhalb der ersten zwei Stunden ab Öffnung der Terminvergaben, waren alle Termine für die nächsten drei Tage ausgebucht“.

Tieraufnahme sollte gut überlegt sein

Das TierQuarTier Wien stellt ebenfalls eine erhöhte Nachfrage fest, allerdings für die Aufnahme von Pflege– oder Hospiztieren. Eine Sache, die in Zeiten der jetzigen Pandemie im Grunde etwas Schönes ist, hat doch einen schalen Beigeschmack. „Wir freuen uns natürlich, dass so viel Interesse für die Aufnahme von Pflegetieren besteht, allerdings ist unser Ziel für die Tiere ein Zuhause für immer zu finden“, sagt Pressesprecherin Evelyn Horak.

Auch Mag. Bayer sagt, dass sie sich über das Interesse freuen, allerdings sollten man nicht leichtfertig mit der Entscheidung nach einem Haustier umgehen. Viele vergessen sich zu fragen, ob sie sich auch nach dem Lockdown weiterhin um ihr Tier kümmern können und wollen. Immerhin beansprucht ein Tier nicht nur Zeit, sondern auch Kosten.

Auch die Frage, was passiert mit dem Haustier, wenn man ins Krankenhaus muss, vergessen sich viele Tierhalter zu stellen. Für Tiere, die deshalb für kurze Zeit abgegeben werden müssen, bedeutet das nämlich enormen Stress.

Zahl von ausgesetzte Tiere zweiten Lockdown schwer einzuschätzen

Entgegen so mancher Berichte, konnten weder der Tierschutz Austria noch das TierQuarTier einen Anstieg von ausgesetzten Tieren im ersten Lockdown feststellen. Der Tierschutz Austria erlebte sogar eher das Gegenteil. „Viele waren wegen ihrem Haustier besorgt und fragten uns wie sie ihr Tiere schützen können oder ob der Verein selbst Unterstützung bräuchte“, berichtet Mag. Bayer.

Wie die Situation im zweiten Lockdown aussehen wird, ist noch ungewiss. Horak selbst hat nicht so ein gutes Gefühl. Sie denkt, dass es für so manchen nicht mehr leistbar sein wird ein Haustier zu halten und es so zu Tieraussetzungen kommen könnte. „In den letzten vier Tagen fanden wir vier angebundene Hunde, was schon relativ viel ist“, sagt Horak. Mag. Bayer steht dem zweiten Lockdown positiver gegenüber. Er denkt, dass es wie beim ersten Lockdown ablaufen wird. Etwas gegenteiliges hat er jetzt, eine Woche seit Beginn des zweiten Lockdowns, auch noch nicht wahrgenommen.


Infobox:

TierQuarTier Wien:
https://www.tierquartier.at/

Tierschutzverein Austria:
https://www.tierschutz-austria.at/

Derzeit in beiden Einrichtungen keine Tiervergabe.