„Blinder“: Die Dating-App, die keine App sein will

Ein wachsendes Angebot an Dating-Apps macht es seit vielen Jahren möglich, die Partnersuche nach Hause auf die Couch zu verlegen. Die Suche nach Liebe wird jedoch oft nur als Zeitvertreib betrieben oder wie eine Amazon-Bestellung behandelt. Dieser Entwicklung wirken vier Wiener Studenten entgegen. Sie kreierten eine Blind-Dating-App, die das Online-Dating wieder persönlich machen soll.

Blinder ist der Name der Kennenlern-App, die von Wienern für Wiener Mitte September auf den Markt kam. Anders als bei Tinder und Co. werden auf Blinder keine Fotos oder echte Namen verwendet. Die App matcht Nutzer nur nach Persönlichkeit und Interessen.

Wie funktioniert Blinder?

Bei der Profil-Erstellung füllt man einen Fragebogen über seine Persönlichkeit aus. Hier gibt der User an, wie zutreffend vorgegebene Charakter-Eigenschaften auf ihn sind. Zu den Eigenschaften zählen beispielsweise wie extrovertiert, zuverlässig oder offen für neue Erfahrungen man ist. In der Sparte „Interessen“ kann man drei Kategorien auswählen. Auch der Spotify-Account kann mit dem Profil verknüpft werden, wenn der User großen Wert auf gemeinsamen Musikgeschmack legt. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, einen kurzen Text über sich selbst zu verfassen. Die App kann im Dating- oder Freundschaft-Modus verwendet werden.

© Blinder | Bei einem Match erfährt man das Pseudonym der anderen Person und die gemeinsamen Interessen.

Gemeinsame Erfahrungen sammeln

Sobald der Account freigegeben wird, kann die App mit dem Matching beginnen. Die App schlägt dem User ein Datum und eine Uhrzeit vor. Er kann angeben, welche Zeit ihm passt. Findet die App einen passenden Partner, schlägt sie drei Treffpunkte vor. „Wir haben hier einfach Orte aus Wien gesammelt, die wir kennen und wo wir auch gerne sind. Die Orte sind in drei Kategorien gefasst: Parks/Plätze, Restaurants/Kaffees und Wildcards. Im Letzteren sind aufregendere und spontanere Dinge wie Tretboot-Fahren an der alten Donau, Museumsbesuche und Eislaufen zusammengefasst,“ erklärt Entwickler Manuel Caspari. Für Vorschläge von neuen Orten sei er immer offen.

© unsplash.com | Naturhistorisches Museum Wien. Museen gehören zu möglichen Treffpunkten auf Blinder. Die meisten Orte sind jedoch im Freien.

Sicherheit als Priorität

Sicherheit gewährleistet die App einerseits über die Verifizierung und andererseits über ausgiebigen Datenschutz. Die Verifizierung erfolgt durch ein Selfie, welches noch vor dem Einrichten des Profils gemacht werden soll. So werden Bots vermieden. Bei der Datenschutzerklärung habe sich Caspari ausgetobt: „Wahrscheinlich sieht die nicht einmal 1 Prozent aller User, aber wenn man reinschaut sieht man genau, welche Daten wir wann, warum und wie lange verwenden.“ 

Sicherheit ist User Lukas besonders wichtig. Der 27-Jährige Wiener Student warte außerdem schon länger auf eine Dating-App, die nicht mehr so oberflächlich wie Tinder sei.  „Ich möchte unvoreingenommen in ein Date gehen. Ich weiß erst, ob mir jemand sympathisch ist, wenn ich die Person treffe.“

Entstehung der App

Bei ein paar Bier mit Arbeitskollegen kam Caspari vor drei Jahren auf die Idee, eine neuartige App zu entwickeln. Drei seiner Freunde holte er für das Projekt mit ins Boot. Seit Tag eins wird die App aus eigener Tasche finanziert.

„Ich bin ziemlich stolz darauf, dass wir keinen einzigen Investor haben. Wir können komplett frei entscheiden und uns für die App eigene Ziele und Ideen setzen.“

– Manuel Caspari, Entwickler

Die Motivation hinter der App war, „das Kennenlernen wieder in die reale Welt zu holen“. „Wir wollten weg davon, auf Menschen umherzuswipen, als wäre es eine Essensbestellung. Es war eh ein bisschen verrückt. Eine App, die eigentlich gar keine App sein will, aber angepasst an unsere heutige Zeit, eine App sein muss,“ merkt Caspari scherzhaft an. Blinder ist auf iOS und Android gratis erhältlich. Zurzeit funktioniert die App nur in Wien. Für die Zukunft wünscht sich Caspari möglicherweise eine Erweiterung in andere Bundesländer.

Titelbild: © unsplash.com