„A century of korean women“ – grosses Kino aus Korea

Unter dem Titel „A Century of Korean Women“ können ZuschauerInnen fünf ausgewählte koreanischen Filme streamen. Die Filmwoche findet vom 3. bis zum 6. Dezember statt. Am wichtigsten: das Ganze ist online und gratis.

Die Botschaft der Republik Korea präsentiert im Rahmen des Festivals „A Century of Korean Women“ fünf Filme zur gesellschaftlichen Stellung koreanischer Frauen in den letzten hundert Jahren. Erzählt wird unter anderem von einer Witwe in den 1920er. Sie hält an der konfuzianischen Tradition fest, nicht mehr zu heiraten. „Yeong-ja’s Heydays“ beschreibt das Schicksal der titelgebenden Protagonistin in den 70’ern, die nach einem Unfall in die Prostitution gedrängt wird. Neuere Filme handeln von jungen Frauen in der Gegenwart, die den Erwartungen ihrer Familien entfliehen wollen: Die Filmauswahl bietet ein geschichtliches Bild von Frauen in Korea.

Alle Filme können vom 3. bis zum 6. Dezember auf „https://www.koreanfilmweek.net/“ zwischen 16 und 23 Uhr mit englischen Untertiteln abgerufen werden. Im Anschluss finden Diskussionsrunden mit FilmexpertInnen und StudentInnen der Universitäten Wien und Ljubljana statt. Den Programmplan findet ihr hier.

Als besonders sehenswert gilt Kim Do-youngs Film „Kim Ji-young, Born 1982“ („82년생 김지영“), basierend auf den gleichnamigen Roman aus 2016. Der Film handelt von einer 30-jährigen koreanischen Frau und der Diskriminierung, die ihr aufgrund ihres Geschlechts in allen Aspekten ihres Lebens widerfährt. Mit einem der häufigsten Namen ihrer Generation repräsentiert „Kim Ji-young“ das Leben unzähliger koreanischer Frauen.

Frauen auf dem Regiestuhl

Wie auch in der westlichen Filmindustrie sind Regisseurinnen in Korea stark unterrepräsentiert. Von den 13 koreanischen Filmen, die letztes Jahr auf dem Filmfestival in Cannes vorgestellt wurden, stammen alle von Regisseuren.

Die koreanische Filmwoche legt jedoch einen speziellen Fokus auf die weibliche Vertretung. Bei drei von fünf Filmen führten Frauen Regie („Kim Ji-young, born 1982“, „Little Forest“ und „Our Body“).

Ungleichheit der Geschlechter

Das Thema Frauen ist in Südkorea nicht nur auf der Leinwand maßgebend. Im „glass-ceiling index“, in dem die Arbeitsbedingungen für Frauen in entwickelten Nationen analysiert werden, stuft der Economist Südkorea am schlechtesten ein.

Die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern sind in Südkorea unter den OECD („Organisation for Economic Cooperation and Development“) Ländern am größten. Im Durchschnitt verdient die südkoreanische Frau in ihrem Vollzeitjob 32,5 % weniger als ein Mann. Mit Corona wird sich dieses Gefälle weiter vergrößern, da Jobverlust in der Krise vor allem Frauen im Dienstsektor betrifft.

Zuletzt flammte die #metoo Debatte in Südkorea auf, als der Bürgermeister der Millionenstadt Seoul im Juli Suizid begann. Anlass waren Missbrauchsvorwürfe seiner ehemaligen Sekretärin.

Koreanischen Filme werden mainstream

Bislang galten Untertitel als Barriere, über die sich viele ZuschauerInnen nicht trauten. Spätestens als Bong Joon-Hos „Parasite“ 2020 als erster fremdsprachiger Film den Oscar für den Besten Film erwarb, wurde die breite Gesellschaft auf die koreanische Filmindustrie aufmerksam. Südkorea produziert schon seit Jahrzehnten zahlreiche Filme, die internationales Aufsehen erregen.

Für alle, die die Welt des koreanischen Kinos näher kennenlernen wollen, ist die koreanische Filmwoche der ideale Einstieg.

Infobox:
Wie funktionert es? Einfach zwischen dem 3'ten und 6'ten Dezember auf „https://www.koreanfilmweek.net/“ gehen, einen der Filme auswählen, unter dem Titel auf „rent“ klicken und einen Account erstellen.

Publikationsdatum: 1.12.2020