Regierung plant Verbot für Supermärkte Lebensmittel wegzuwerfen

Ein Drittel der produzierten Lebensmittel landen im Müll. Das will die Regierung mit einem Aktionsplan gegen die Lebensmittelverschwendung ändern. Als Vorbild für die Reduktion der Verschwendung im Einzelhandel wird Frankreich genannt, wo ein Wegwerf-Verbot 2016 eingeführt wurde.

In Österreich werden jährlich mehr Lebensmittel weggeschmissen als die gesamte Kärntner Bevölkerung isst. Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landen im Müll. Das soll sich mit dem kommenden Aktionsplan von Türkis-Grün ändern. Ein umstrittener Punkt im Plan ist das Verbot für den Einzelhandel genusstaugliche Lebensmittel zu entsorgen. Vorbild eines solchen Verbots ist Frankreich. Doch wie funktioniert es in Frankreich und was wird in Österreich bereits gegen Lebensmittelverschwendung im Einzelhandel unternommen?

Ein Vergleich mit Frankreich

Das französische Gesetz verpflichtet größere Supermärkte Lebensmittel an soziale Einrichtungen zu spenden oder sie weiterzuverarbeiten. Eine Kooperation mit einer sozialen Einrichtung ist Pflicht und zumindest 1% der überschüssigen Ware muss gespendet werden. „Das ist in Österreich bereits gang und gäbe“, erklärt Philipp Hietler, Experte für Abfallwirtschaft beim Institut für Ökologie. „100% der Filialen von Hofer, Spar und REWE dürfen es. Ob sie es tun, ist schwer zu kontrollieren und vom Filialleiter abhängig.“ Auch in Frankreich gibt es keine Kontrollinstanz. Die Kooperationen am Papier werden in der Praxis somit nicht geprüft. Nach ersten Bilanzen des Gesetzes zeigt es dennoch Wirkung. Die Spenden konnten innerhalb von zwei Jahren um 19% erhöht werden, von 39.000 auf 46.200 Tonnen jährlich.

Der zweite Teil des französischen Gesetzes regelt wie mit Waren umgegangen werden soll, die nicht weitergegeben werden können. Sie müssen getrennt gesammelt werden, sodass die Ware kompostiert oder zu Tierfutter weiterverarbeitet werden kann. „Auch das gibt es bei uns schon“, erklärt Hietler. „Die getrennte Sammlung von biogenen Abfällen ist in den Abfallwirtschaftsgesetzen der Länder und des Bundes gesetzlich verankert.“

Eine Reportage aus Frankreich vom deutschen Jugendmagazin „fluter“.

Das Wegwerf-Verbot

Soweit würde das Gesetz keine groben Erneuerungen bringen, sondern bereits bestehende Strukturen gesetzlich verankern. Allerdings fallen bei Missachtung in Frankreich hohe Strafen an. 3.750 Euro und mehr müssen pro Vergehen bezahlt werden. Zudem können weitergegebene Lebensmittel zu 60% steuerlich abgeschrieben werden. Das kann dazu führen, dass Supermärkte mehr bestellen und mehr Ware abgeben. „Extrem große Mengen in teilweise fragwürdiger Qualität“, befürchten Handelsverband und der Verband der österreichischen Tafeln in identen Pressestatements. Sie befürworten einen Ausbau des derzeitigen Systems der „freiwilligen Selbstverpflichtungen“, so Alexandra Gruber, Geschäftsführerin der Wiener Tafel. Darunter zählen Initiativen wie „Lebensmittel sind kostbar“, zu welchen die größeren Supermarktketten sich freiwillig bekennen. Rechtliche Bindung gibt es keine.

Trotzdem kann auch dieses System eine positive Bilanz vorweisen. Zwischen 2013 und 2017 konnten die jährlichen Spenden des Lebensmitteleinzelhandels in Österreich fast verdoppelt werden, von 6.600 auf 12.500 Tonnen.

Gesamte Wertschöpfungskette betrachten

Im Handel, in der Außer-Haus-Verpflegung (Bsp: Gastronomie) und in privaten Haushalten werden in Österreich pro Jahr 756.700 Tonnen Lebensmittel weggeworfen. 491.000 Tonnen gelten als vermeidbar, wie einem Lagebericht des Ökologie Instituts zu entnehmen ist. „Die Wertschöpfungskette beeinflusst sich gegenseitig“, meint Hietler. Der Handel hätte hier zwar starken Einfluss auf die anderen Glieder der Wertschöpfungskette, die sollten aber ebenfalls berücksichtigt werden. Ob Verbot oder freiwillige Selbstverpflichtung werde, so Hietler, nicht entscheidend sein. Wichtiger sei es, einen Aktionsplan über die gesamte Wertschöpfungskette zu entwickeln.

Titelbild: © Markus Hagspiel