Ein leeres Lokal im, Halbdunkeln

Vielen dank, bis zum nächsten jahr – Was die lockdownverlängerungen für die Gastro bedeuten

Der Lockdown für die Gastronomie wird vorerst bis 06. Jänner 2021 verlängert. Aber wie kommen die Lokale, Restaurants und Bars derweil klar? Gastronomen zeigen sich positiv.

Nur die wenigsten von uns freuen sich vermutlich über die Verlängerung der pandemiebedingten Maßnahmen. Selbst diejenigen, die nicht finanziell betroffen sind, würden doch zumindest gerne mal wieder fortgehen oder mit Freunden in der Wintersonne einen Café oder Punsch trinken.  Aber die Lokale bleiben vorerst geschlossen. Aber wie geht es unseren Lokalen in Wien überhaupt? Können die sich überhaupt noch über Wasser halten? Wir haben mit zwei Wiener Gastronomen geredet und nachgefragt.

Gastro ohne Gäste

Es ist ruhig an der Ecke Praterstraße-Zirkusgasse. Wo sonst die Tische, Stühle und zahlreichen Deko-Pflanzen des Ramasuri aufgebaut sind, stehen gerade nur drei bunt beschriebene Schilder. Sie weisen auf Cocktails und Chai Latte zum Mitnehmen hin und bereiten auf die kommende Weihnachtszeit vor. Dem fehlenden Gästeandrang zum Trotz, zeigt sich Restaurantleiter Niklas Kolar gelassen. Er und sein Team testen zurzeit neue Getränke und bauen das Lager um. „Wäre blöd, wenn man die Zeit nicht nutzen würde“, sagt er schulterzuckend. Und außerdem bleiben er und sein Mitarbeiter so beschäftigt. Die konnte Kolar zum Glück alle behalten. Der Staat zahlt dem Ramasuri 90 Prozent des Gehalts aller Mitarbeiter. Das Geld geht dann in einen Topf und wird von da fair an die Angestellten verteilt. Mit dieser Regel sei im Ramasuri jeder zufrieden.

Vor dem Ramasuri sitzen eigentlich selbst zu dieser Jahreszeit noch viele Menschen im schön dekorierten Gastgarten. Momentan gibts die leckeren Speisen und Getränke nur to go 
©Konstantin Obermayr
Extra-Hilfen

Auch im beliebten Studentenlokal Das Augustin im 15. Bezirk konnte Besitzerin Catharina Priemer alle Mitarbeiter behalten. Sie hat sich sogar ein extra System einfallen lassen, um ihre Angestellten zusätzlich finanziell zu unterstützen. Sie zahlt freiwillig allen geringfügig Angestellten in ihrem Personal das doppelte Gehalt zu Weihnachten. „Wir haben ausgemacht, dass sie die Stunden, wenns wieder geht, wieder einarbeiten. Wenn dann mal Feiertage sind, die eigentlich doppelt zählen, oder Urlaube oder so. Da gibt es ja viele Möglichkeiten.“

Kurzarbeitergeld/ Fixkostenzuschuss/ Umsatzersatz

Wie im November, wurde den Lokalen auch für Dezember drei Hilfspakete versprochen, die sie unabhängig voneinander beantragen können. Das Kurzarbeitergeld (90 Prozent vom Gehalt) bezieht zwar zunächst die Firma, wird aber von dieser an die Mitarbeiter ausgezahlt. Den Fixkostenzuschuss können all jene Unternehmen beantragen, die einen Umsatzausfall von mindestens 30 Prozent verzeichnen. Der Zuschuss steigt linear mit dem Prozentsatz des Umsatzausfalles und kann bis zu 100 Prozent betragen.
Der Umsatzersatz, das dritte Hilfspaket, hat im November noch 80 Prozent des verlorenen Novemberumsatzes betragen. Für Dezember wurde er auf 50 Prozent gesenkt. Berechnet wird dieser verlorene Umsatz anhand der Vergleichsmonate aus dem Vorjahr (weitere Infos, hier).

Hauptsache jetzt ist alles da

Cathi Priemer ist zufrieden mit den Hilfsangeboten vom Staat. Im November habe sie alle drei Zuschüsse schnell und unkompliziert erhalten. Deswegen mache sie sich auch um Dezember keine Sorgen. Dass der Umsatzersatz nun geringer ausfällt, sei ok. Sie betont aber, wie wichtig solche Förderungen für die Gastronomie seien: „Man darf nicht vergessen, wie hart das ganze Jahr die Gastro getroffen hat. Wir hatten über vier Monate geschlossen. Wir haben so viel Geld verloren alle.“
Auch Niklas Kolar zeigt sich mit den Finanzhilfen zufrieden, auch wenn bei ihm nicht alles ganz so unkompliziert geklappt hat. Obwohl das Kurzarbeitergeld sehr schnell überwiesen wurde, ließ der Umsatzersatz lange auf sich warten. Aber auch davon lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen: „Hauptsache jetzt ist alles da. Das ist das wichtigste.“

Cathi Priemer ist die Geschäftsführerin vom beliebten Studentenlokal „Das Augustin“. Sie sieht der Zukunft optimistisch entgegen ©dasaugustin Instagram
Zukunftsprognosen

Aber wie geht’s denn jetzt im Jänner weiter? Über diese Frage sind sich die zwei Gastronomen uneinig. Während Priemer darauf setzt, dass sie Anfang des Jahres ihre Tore wieder öffnen darf, sieht Kolar die Sache kritischer. Er rechnet mit einer Wiedereröffnung erst ab März, sobald die Gäste wieder draußen sitzen können.

Ob es nun letztendlich Jänner oder März wird: Wir können nach heutigem Stand auf jeden Fall zuversichtlich sein, dass diese und auch viele andere unserer geliebten Lokale nach dem Lockdown wieder aufsperren. Und die freuen sich auf unseren Besuch sicherlich mindestens genau so wie wir.