Corona-Impfstrategien: Warum Junge zuerst impfen sinnvoll sein kann

Neue Erkenntnisse legen nahe, dass die Impfung von Biontech und Pfizer auch die Übertragung der Krankheit verhindert. Das könnte die Impfstrategie beeinflussen. Junge Menschen, die die meisten Kontakte haben, könnten zur Eingrenzung der Pandemie an Bedeutung gewinnen.

Über 160.000 Menschen wurden bereits in Österreich geimpft. Nach der österreichischen Strategie zur Corona-Schutzimpfung befindet sich die Republik in der ersten von drei Phasen. Erst in der dritten Phase soll die Allgemeinbevölkerung nach dem aktuellen Plan geimpft werden. Indonesien macht das anders. Dort werden zuerst Menschen geimpft, die das Virus am wahrscheinlichsten bekommen und verbreiten. Wenn das Vakzin einen Schutz vor Übertragung des Corona-Virus bietet, könnte das auch in Österreich ein effektiver Weg sein.

Jung vor Alt

In Indonesien werden junge Menschen vor den Älteren geimpft. Die indonesische Impfstrategie reiht jene vor, die das Virus am wahrscheinlichsten bekommen und verbreiten. Das sind Junge: Nur Menschen zwischen 18 und 59 Jahren werden in Indonesien geimpft. „Es ist wenig effektiv, wenn wir unsere begrenzte Menge an Impfstoff auf die Älteren konzentrieren, wenn diese weniger dem Virus ausgesetzt sind“, meint Amin Soebandrio, Direktor am Eijkman-Institut für Molekularbiologie in Jakarta.

Auch ein Modell der Khalifa Universität legt die Priorisierung junger Menschen nahe. Die Todesrate könnte so um 70% sinken. Allerdings nur, wenn der Impfstoff Ansteckung verhindert. Herwig Kollaritsch, Facharzt und Mitglied des Österreichischen Impfgremiums, hält den Aspekt der Weitergabe für entscheidend, wie er der Wiener Zeitung sagt. „Eine Immunisierung junger Menschen macht nur bei einem infektionsverhütenden Impfstoff Sinn. Wenn die Impfung die Krankheit nur verhindert, die Weitergabe der Infektion aber nicht, ist eine Immunisierung junger Menschen sinnlos und ohne Effekt auf die Ausbreitung und Krankheitslast der älteren Bevölkerung.“

Die Impfung junger Menschen würde sich, wenn sie das Virus nicht weitergeben können, ähnlich wie ein Lockdown auswirken: Die Übertragungskette wird gestoppt.

Abwarten und anpassen

„Tierversuche zeigten, dass die Impfung einen signifikanten Schutz vor Übertragung gibt“, sagt Albert Bourla, CEO von Biontech und Pfizer. Für Menschen fehlen die Daten noch. So oder so können junge Menschen mit einer Impfung zu einer Einschränkung der Krankheit beitragen, wie der Virologe Florian Krammer im Podcast „Erklär mir die Welt“ ausführt: „Auch wenn man sich noch anstecken kann, ist es wahrscheinlich schon so, dass man für kürzere Zeit infiziert und ansteckend ist, als wenn man tatsächlich erkrankt.“

Warum das noch nicht klar ist: die Erhebung der Daten ist schwierig. Bis zur Impfung der breiten Bevölkerung wird die Frage aber besser erforscht sein, prognostiziert Krammer. Wenn der Impfstoff die Ausbreitung verhindert, könnten junge Menschen bereits früher dran kommen. Das entscheidet das nationale Impfgremium dann nach der aktuellen Datenlage.

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