Das lange Warten: Fußball ohne Nachwuchs

Der Kinder- und Jugendfußball steht im Moment still. Mit dem erneuten Lockdown wird sich daran bis Anfang März nichts ändern. Nachwuchstrainer schlagen Alarm. Für viele ist es ein verlorenes Jahr. Manche werden nicht mehr zum Sport zurückkehren.

Mit dem erneuten Lockdown ist auch der Trainingsbetrieb für über 160.000 Kinder und Jugendliche im Nachwuchsfußball ausgesetzt. Für viele Tausende bedeutet dies erneut eine Zeit der Bewegungslosigkeit. Die Folgen sind schwer abzusehen. In vielen Vereinen wird zwar versucht mit Home Workout Ideen die Kinder in Bewegung zu halten, doch ist dies nur eine vorübergehende Lösung. Einige Kinder sind für die vielen ehrenamtlichen Nachwuchstrainer im Land nicht mehr erreichbar. Die Sorge ist bei vielen groß, dass die Kinder und Jugendlichen den Weg zurück zum Fußball aktiv nicht mehr finden werden.

„Ich hoffe, dass die Nachwuchsspieler nicht komplett ‚verfaulen‘. Die Situation ist schwierig für alle. Die heutige Jugend hat alle Möglichkeiten, was nichts Schlechtes ist, aber sie kommen in eine gewisse Gemütlichkeit hinein, aus einer gewissen Komfortzone nicht heraus. Dies verstärkt sich durch den Lockdown natürlich noch mehr“, schlägt der Nachwuchsleiter des First Vienna FC Jiri Lenko Alarm. Der Ex-Profi berichtet über einige Nachwuchsspieler, die sich bereits abgemeldet haben vom Verein.

Home Schooling ist für Kinder- und Jugendliche derzeit Alltag. Bewegung rückt in den Hintergrund. (Bild: Pixabay/Symbolfoto)

„Im Lockdown entdecken die Kinder andere Dinge. Durch Home Schooling nicht selten den Computer oder die Spielekonsolen. Darum hoffen wir so schnell wie möglich das Training wieder aufnehmen zu können. Ansonsten befürchte ich wird der Schaden für die Kinder, aber auch für die Vereine noch größer“, gibt mit Jeremy Auer ein weiterer Betreuer im Nachwuchsfußball zu bedenken.

Sechs Monate warten

Insgesamt konnten die heimischen Nachwuchskicker sechs Monate lang ihren Sport nicht gemeinsam ausüben. Mit dem erneuten Lockdown ist das Betreten der Sportanlagen weiterhin nicht möglich. Bis jetzt gibt es für die 15.000 Sportvereine, zu denen auch die Fußballvereine zählen, keinen konkreten Zeitplan, um den Trainingsbetrieb wieder hochfahren zu können. Mitte Februar soll die Situation von der Bundesregierung für Sportvereine erneut evaluiert werden.

Auch dem ehemaligen U21 Nationaltrainer Österreichs Andreas Herzog macht die Situation Sorgen. In seiner Kolumne für die Kronenzeitung, spricht er über seine beiden Söhne, die im Nachwuchsfußball tätig sind bzw. derzeit untätig sind. Für den Ex-Teamspieler kann das Home Training nicht die Bewegung und den Spaß auf der Wiese ersetzen: „Daheim eingesperrt zu sein ist definitiv nicht gesund. Ich bin überzeugt, dass du so auf Dauer mehr zusammenhaust, als die aktuelle Situation hilft, die Pandemie einzudämmen.“

Fußballvereine als Teststation

In ganz Österreich suchen Sportvereine nach Wegen, um eine sichere Möglichkeit für die Rückkehr ins gewohnte Training zu finden. Einen Versuch Lösungswege aufzuzeigen unternahm Sport Austria in einer Pressekonferenz Anfang der Woche. Die Idee ist, dass Sportvereine Teil der österreichischen Teststrategie werden. Neben den bereits vorhandenen Präventionskonzepten, soll jetzt auch in den Vereinen getestet werden. Dadurch würden regelmäßig tausende von Kinder- und Nachwuchsspielern getestet.

„Wir sind davon überzeugt, dass diese Teststrategie – kombiniert mit der strikten Einhaltung der Präventionskonzepte der jeweiligen Sportart – möglichst sichere wöchentliche Trainingseinheiten ermöglichen: Tests in Schulen und Vereinen bringen doppelte Sicherheit“, führt Sport Austria-Präsident Hans Niessl aus und betont die allgemeine Bedeutung von Sport und Bewegung.

Hans Niessel (zweiter von links) bei der Pressekonferenz zusammen mit Größen aus dem Vereinssport (Bild: Sport Austria)

Ob der Ansatz von der Politik aufgegriffen wird, muss abgewartet werden. Ein weiteres Warten könnte aber verheerende Folgen für den österreichischen Nachwuchsfußball und die Gesundheit tausender Kinder- und Nachwuchsspieler haben. Die Zahlen hingegen lassen nichts Gutes erwarten. Die Blicke sind vorerst auf die Evaluierung Mitte Februar gerichtet.

Beitragsbild | © First Vienna FC 1894