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Der Digitale Adelsklub

Kein Club ist momentan so begehrt wie Clubhouse. Die Audio-only-App basiert auf einer Mischung aus Live-Podcast und Gesprächsrunden. Geschicktes Exklusivitäts-Marketing, FOMO und Hype verdrängen datenschutzrechtliche Bedenken und fehlende Kontrolle bei problematischen Inhalten.

Die Angst, man könnte etwas verpassen, ist derzeit groß. Das hört sich in Zeiten einer Pandemie zunächst nach einem Widerspruch an. Die App Clubhouse hat es trotz – oder vermutlich gerade wegen Corona – geschafft, uns mit der FOMO-Krankheit zu infizieren, dem „fear of missing out“-Phänomen. Keine Likes, keine Bilder, keine Kommentare. Clubhouse setzt auf Audio statt auf Text.

Bis zu 1.000 Leute pressen sich in virtuelle Räume. Die Nutzer diskutieren über Medien, die Zukunft der Demokratie, Networking und aktuelle Deutschrap-Releases. Neues zum Immobilien-Markt um 12 Uhr, digitale Klimakonferenz um 18 Uhr, nostalgische Gespräche über Konzerte um 20 Uhr. Verstärkt wird der Hype dadurch, dass Prominente und Politiker in den Chaträumen angetroffen werden können. Thomas Gottschalk, Paris Hilton, CDU-Politiker Philipp Amthor, Oprah Winfrey, Joko Winterscheidt. Sie alle tummeln sich in den unterschiedlichsten Räumen.

Bei Clubhouse gilt: Wer nur zuhören will, lauscht eben aufmerksam. Wer sich aktiv in die Diskussion einbringen möchte, kann seine Hand virtuell heben. Eine Art Radio-Talkshow, der per Knopfdruck beigetreten werden kann. Besonders betont werden bei Clubhouse die anspruchsvollen Gespräche und der Austausch auf hohem Niveau.

Die Macher aus dem Silicon Valley, Paul Davison und Rohan Seth, entwickelte den anhaltenden Podcast-Trend weiter. „Die Faszination für Podcasts und der positive Start sprechen dafür, dass sich Clubhouse längerfristig etablieren kann. Auch die Möglichkeit an einer Teilnahme, ohne auf den Bildschirm des Smartphones schauen zu müssen“, sagt Philippe Wampfler, der sich mit digitaler Bildung und Jugendkultur beschäftigt und an der Universität Zürich lehrt. 

Der Pöbel findet sich bei Facebook und Instagram

Rezipienten werden oftmals zu Sendern auserkoren. Die App bedient damit eine Nische, während Facebook an Bedeutung verliert und es mit Instagram, glaubt man Experten, auch bald abwärts gehen könnte. Clubhouse vermittelt Exklusivität, das Bild einer Elite in der digitalen Welt. Der digitale Adel residiert bei Clubhouse, der Pöbel verkümmert in Zukunft auf Facebook und Instagram, lauten so manche zynische Prognosen.

Clubhouse kann nur auf Einladung genutzt werden. Exklusive Einladung für exklusive Gespräche, Vernetzung und intellektuellen Content. Für den Neuropsychologen und Neuromarketing-Experte, Hans-Georg Häusel, ist dies nichts Neues. „Das Konzept, auf das Clubhouse setzt, existiert schon lange. Wenn man sich Adelsklubs anschaut, etwa den Rotary Club. Es ist ein elitärer Kreis, der gut ausgesucht ist. Man kommt nur auf Empfehlung rein. Die sozialen Mechanismen sind die gleichen. Clubhouse hat die Mechanismen der Adelsklubs in die digitale Welt übertragen“, sagt Häusel.

Der Medienhype, der momentan um die App passiert, würde Clubhouse zusätzlich attraktiver machen. Potentielle Nutzer bezahlen beträchtliche Summen für eine Einladung von einem aktiven „Clubmitglied“. Bei Ebay werden die Clubhouse-Einladungen zum Kauf angeboten. Verlangt wird dafür umgerechnet bis zu 300 Euro.

Jeder Nutzer, dem es gelungen ist, ein Profil zu erstellen, kann zwei Einladungen verschicken. Android-Nutzer müssen sich noch gedulden. Genutzt werden kann die App nur mit einem iOs-Betriebssystem. Künstliche Verknappung trifft auf Prominente und Politiker, mit denen in Chaträumen direkt kommuniziert werden kann. So wird ein Hype kreiert.

Auch Facebook setzte ursprünglich auf das Konzept der künstlichen Verknappung. Längerfristig bewährt hat sich das im Hinblick auf die Exklusivität nicht. Exponentielles Wachstum gefährdet den „elitären Kreis“ aber auch bei Clubhouse. „Jeder, der dazu darf, kann wieder zwei Personen mitbringen. Da geht die Kontrolle irgendwann verloren. Wenn das zu schnell geht, gerät auch die Exklusivität ins Wanken“, sagt Häusel.

Die dunkle Seite des Klubs

In Kritik geraten ist die App zuletzt wegen ihrem Umgang mit Verschwörungstheorien und Hass-Botschaften, die in Gesprächsräumen ausgetauscht werden. Auch der Sturm aufs Kapitol in Washington soll dort angekündigt worden sein. Die Tech-Journalistin Taylor Lorenz von der New York Times erstellte eine Liste, wer bei Clubhouse alles spricht: Neonazis, ehemalige Breitbart-Blogger, Trump-Anhänger und Verschwörungstheoretiker. Insbesondere Corona hat eine neue Dimension an Desinformation hervorgebracht.

„Menschen werden nicht durch Plattformen wie Clubhouse anfälliger für Desinformationen, doch sie können durchaus diese Anfälligkeiten bedienen und verstärken“, sagt Wampfler. Verschiedene US-amerikanische Medien berichten zudem von Holocaustleugnung und sexistischen Äußerungen. Die Unternehmerin Sarah Mauskopf twitterte im September: „Es gibt einen Clubhouse-Raum, in dem tatsächlich ein paar Leute darüber diskutieren, warum es okay ist, Juden zu hassen. Ich habe erst mal genug von der App.“

Alle Gespräche werden aufgezeichnet, „um sicherzustellen, dass nicht gegen die Community-Guidelines verstoßen wird“, heißt es von Seiten der Entwickler. Hass-Inhalte können jedoch ungestört verbreitet werden. Eine effiziente Moderationsfunktion existiert nicht, diese wird von den Nutzern selbst übernommen. Es gibt ein Meldesystem, die Nutzer müssen die besprochenen Inhalte melden, damit sich Moderatoren zum Gespräch schalten. Wie oft dies geschieht, kann nicht gesagt werden.

„So eine Plattform ist für alle, die ihre Ideologien in die Welt pusten wollen, interessant. Vor dem ist auch Clubhouse nicht geschützt. Hier ist auch das exponentielle Wachstum wieder problematisch“, sagt Häusel. Konkrete Gegenmaßnahmen gibt es von den App-Entwicklern nicht. 

Kein Datenschutz

Bedenken äußerten in den letzten Tagen auch Datenschutzexperten. Dem Schutz von Daten wird bei Clubhouse keine Beachtung geschenkt. Die App fordert nach der Installation Zugriff auf das Kontaktbuch des jeweiligen IPhones. Die Hersteller, die Firma Alpha Exploration, sammelt personenbezogenen Daten. Berichten zufolge auch von Menschen, die keine Clubhouse-Mitglieder sind. Nicht ersichtlich ist bisher auch, wofür die gesammelten Daten verwendet werden. Die Nutzungsbestimmungen geben darüber keinen Aufschluss.

Fest steht, dass die App mit dem hochgeladenen Adressbuch Schattenprofile im eigenen Netzwerk anlegt. Wer Clubhouse also die Erlaubnis erteilt, auf sein Kontaktbuch zuzugreifen, gibt damit auch die Telefonnummern von Freunden, Familie, Bekannten, Arbeitskollegen an den Clubhouse-Server in den USA weiter. Zuletzt wurde dieses Vorgehen von Datenschützern auch beim Messengerdienst Whatsapp kritisiert.

Titelbild (c) imago

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