Schlagwort-Archive: Demonstration

40.000 Corona-DemonstrantInnen ziehen durch Wien

Die Stimmung bei der bisher größten Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen war aufgeheizt. FOTO: APA/FLORIAN WIESER

400 Anzeigen, sechs Festnahmen, 12 Anzeigen nach dem NS-Verbotsgesetz, dazu mehrfache Attacken auf Journalisten und Kamerateams – das ist die traurige Bilanz der gestrigen Corona-Demonstrationen. Rund 1400 PolizistInnen waren im Einsatz, die Stimmung war aufgeheizt denn schon vorweg wurde auf Social-Media-Plattformen mobilisiert und kuriose Gerüchte gestreut.

Zwei Tag vor dem angekündigten Lockdown sind gestern rund 40.000 Menschen in mehreren Demonstrationen durch Wien gezogen um sich gegen die Corona-Maßnahmen und vor allem gegen die kürzlich verkündete Impfpflicht, welche im Februar 2022 eingeführt werden soll, auszusprechen. Große Teile der Demonstrationen verliefen friedlich, doch rechtsextreme Gruppierungen und gewaltbereite Hooligans sorgten für Probleme und Scharmützel mit der Polizei.

Auch Innenminister Karl Nehammer bestätigte, dass neben den friedlich demonstrierenden BürgerInnen auch Personen aus der rechtsextremen Szene und „altbekannte Neonazis“ vor Ort waren und sich zusammen mit gewaltbereite Hooligangruppen Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert hätten. Nehammer sieht eine „deutliche Radikalisierung“ beim harten Kern der Gegner der Corona-Maßnahmen. Bekannte Gesichter der rechtsextremen Szene wie Martin Sellner und andere Mitglieder des „Identitären“-Ablegers „Die Österreicher“ waren zu sehen und setzten sich gar an die Spitze des Protestzuges.

Transparente der Demo verkündeten „Impfungen sind Völkermord“ und „Ungeimpft = natürlich gesund“. Häufig gesehene Utensilien waren auch „Nein zum Impfzwang“-Transparente. Ein großer Teil der Teilnehmer trug Österreich-Fahnen, zu sehen waren aber auch ausländische Flaggen – vereinzelt waren auch Symbole der QAnon-Verschwörungstheoretiker und die Reichsflagge zu erkennen. Immer wieder trennten sich kleinere und größere Abordnungen vom Demozug, was die Lage unübersichtlich und die Polizeieinsätze schwieriger machte.

Rechtsextreme zündeten Pyrotechnik und setzten sich an die Spitze des Demozuges. FOTO: APA/FLORIAN WIESER

Zu der aufgeheizten Stimmung bei den Demonstrationen trugen im Vorfeld auch fragwürdige Aufrufe und absurde Verschwörungstheorien via Social-Media bei. In einschlägigen Telegram-Gruppen aber auch in „allgemeineren“ sozialen Netzwerken wie Facebook waren Aufrufe zur Bewaffnung sowie zunehmend radikalere Statements und immer wieder auch extremistische Drohungen zu lesen. Hinzu kamen einige kuriosere Theorien, so wurde teilweise davor gewarnt, dass Mitarbeiter der wiener Stadtregierung in den Kanälen säßen um in die ungeschützten Waden der Demonstranten zu impfen. Oder vor Polizeihelikoptern die Impfstoffe in Form von Gas auf die Demonstranten sprühen.

Weder die Angst vor dem Virus noch die Angst vor den angeblichen Helikoptern sorgte jedoch dafür, dass die Demo-TeilnehmerInnen es mit der Maskenpflicht besonders genau nahmen. So wurden zahlreiche Anzeigen wegen Verletzungen der FFP2-Maskenpflicht ausgesprochen. Eine der Maßnahmen gegen die sich viele Menschen sowohl im Netz aber auch auf politischer Bühne seit langer Zeit äußern. Der bekannteste politische Maßnahmen-Gegner Herbert Kickl konnte aufgrund seiner eigenen Corona-Erkrankung zwar nicht an den Demonstrationen teilnehmen, er ließ es sich dennoch nicht nehmen zu seinen Anhängern über eine Videowall auf der Demonstration zu sprechen.

FOTO: APA/FLORIAN WIESER

Kickl warnte in der knapp viertelstündigen Rede vor einer „totalitären Bedrohung“. Die Medienlandschaft sei „Handlanger der Mächtigen“, Institutionen würden systematisch scheitern, es gebe „politisches und moralisches Totalversagen“. Altbekanntes vom FPÖ-Obmann. Über die dramatische Situation auf den österreichischen Intensivstationen verlor er kein Wort.

Sowohl die Regierung als auch die Polizei hatte im Vorfeld zwar dazu aufgerufen, Großversammlungen wegen der derzeitigen Corona-Lage und Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Dennoch handelte es sich am Samstag um die größte Demonstration gegen Corona-Maßnahmen seit Beginn der Pandemie. Und auch für die kommenden Wochenenden sind weitere Demonstrationen angekündigt. Ob mit genauso vielen TeilnehmerInnen zu rechnen ist bleibt abzuwarten- da es sich dabei um Maßnahmengegner handelt werden wohl trotz, oder gerade wegen des Lockdowns, viele Menschen auf die Straßen gehen.

Datum der Veröffentlichung: 21.11.2021

Chronologie einer Protestaktion

Seit November letzten Jahres kommt es zu Hörsaalbesetzungen an der Universität Wien gegen den rechten Professor Lothar Höbelt. Die Proteste zeigen nicht nur die Rolle der Universität als politischen Raum, sondern bieten auch rechts- wie linksextremen Gruppierungen eine Bühne.

Chronologie einer Protestaktion weiterlesen

Black Friday: Zwischen Kaufrausch und Konsumkritik

Wenn sich tausende Menschen heute freiwillig in den Shoppingzentren des Landes tummeln, hat das einen Grund: Unschlagbar günstige Preise. Mit dem Black Friday nimmt auch in Österreich der Vorweihnachtsverkauf richtig Fahrt auf. Über die Billigaktionen scheiden sich allerdings die Geister: Bei einer Protestaktion auf der Wiener Mariahilferstraße stoßen Kritiker auf Verteidiger der Rekordrabatte, bis schließlich die Polizei einschreiten muss.
Black Friday: Zwischen Kaufrausch und Konsumkritik weiterlesen

Studenten demonstrieren für kostenfreie Bildung

In den Wochen vor Weihnachten gab es in der Wiener Innenstadt zahlreiche Proteste. Die Angelobung der neuen türkis-blauen Regierung sorgte für Aufregung in der Bevölkerung und animierte die Menschen, sich gegen politische Pläne zu wehren.

Studenten demonstrieren für kostenfreie Bildung weiterlesen